Im Jahr 2024 war die Kinder- und Jugendbeteiligung in Wedel weiterhin ein zentrales Aufgabenfeld der Diplomsozialpädagogin Imke Dreessen. Sie arbeitet im Fachdienst Kinder, Jugend und Familie mit einem Stundenumfang von 24,5 Wochenstunden und ist seit 2020 bei der Stadt tätig. Ihre Aufgaben umfassen die Begleitung des Jugendbeirats, die Organisation und Durchführung des Kinderparlaments, Kinderbeteiligungen an Spielplatzplanungen sowie medienpädagogische Angebote wie den Kurs „Stadtforscher-Kinder“, der an verschiedenen Grundschulen stattfindet. Ziel ist es, Kindern Wissen über ihre Rechte zu vermitteln und sie zur aktiven Mitgestaltung ihrer Umwelt zu befähigen.
Die gesetzliche Grundlage für Beteiligung ist in Schleswig-Holstein durch § 47f der Gemeindeordnung geregelt. Ergänzt wird dies durch Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention, der dem Kind das Recht auf Meinungsäußerung in allen es betreffenden Angelegenheiten zusichert. In Wedel bestehen mit dem Jugendbeirat und dem Kinderparlament zwei institutionalisierte Beteiligungsformate. Der aktuelle Jugendbeirat ist bereits die achte Amtszeit, neue Wahlen finden im November 2025 statt. Seit 2024 gibt es wieder ein aktives Kinderparlament mit 18 Kindern im Alter von 8 bis 13 Jahren.
Ein wichtiges Betätigungsfeld ist die Beteiligung von Kindern bei der Gestaltung öffentlicher Spielplätze. Hier nutzt Imke Dreessen meist das Modell der „Zukunftswerkstatt“, in dem die Kinder zunächst Probleme benennen, dann kreative Ideen entwickeln und diese schließlich in konkrete Vorschläge oder Modelle umsetzen. Diese Form wurde 2024 unter anderem auf dem Spielplatz Hainbuchenweg, im „Highlight“ und am Egenbüttelweg angewendet. Dabei entstanden modellhafte Vorstellungen etwa für neue Klettergeräte oder Trampoline. Besonders positiv: Auf dem Spielplatz „Highlight“ wurden die Wünsche der Kinder – ein Spielschiff und ein Trampolin – bereits umgesetzt.
Dennoch zeigt der Bericht auch strukturelle Schwierigkeiten auf. Viele neue Spielgeräte konnten wegen der anhaltenden Haushaltssperre nicht beschafft werden. Die Folge: Beteiligungen liefen ins Leere, was bei Kindern und engagierten Spielplatzpaten zu Enttäuschung führte. So konnten beispielsweise auf dem Spielplatz Heinrich-Schacht-Straße, am Egenbüttelweg oder am Ansgariusweg keine neuen Geräte installiert werden, obwohl Beteiligungsprozesse bereits abgeschlossen waren. Besonders kritisch ist die Situation bei den sechs Wasserspielplätzen in Wedel, die 2024 vollständig außer Betrieb blieben, weil nötige Reparaturen an den Übergabeschächten nicht durchgeführt werden konnten.
Neben den klassischen Beteiligungsprozessen engagierte sich Imke Dreessen auch in zahlreichen Projekten und Aktionen: Sie organisierte den Weltspieltag am 1. Juni, war beim Hafenfest mit dem Jugendbeirat aktiv, beteiligte sich an interkulturellen Formaten wie einem Moscheebesuch, organisierte eine Kinderrechte-Ausstellung im Rathaus sowie eine Schulung zum Thema „Kinderstädte“. Der Jugendbeirat initiierte darüber hinaus eine Online-Umfrage zur Schulsozialarbeit mit sehr guter Resonanz.
Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist die Organisation und Leitung von Arbeitskreisen, etwa des Arbeitskreises „Lautstark“, in dem auch Mittel zur Prävention sexueller Gewalt an Grundschulen vergeben werden. Darüber hinaus betreut Dreessen derzeit acht Spielplatzpatinnen und -paten, führt Gespräche mit Bürger:innen bei Problemen auf Spielplätzen und war bis Anfang 2025 auch für die Organisation des Wedeler Sozialmarktes zuständig.
Im Fazit ihres Berichts betont Imke Dreessen, dass Wedel bereits über gute Ansätze zur Beteiligung verfüge. Dennoch müssten diese stärker im Verwaltungshandeln verankert werden. So sollten alle politischen Vorlagen darauf geprüft werden, ob sie Kinder und Jugendliche betreffen – und gegebenenfalls eine Beteiligung erforderlich machen. Beteiligung dürfe kein symbolischer Akt sein, sondern müsse wirksam, verbindlich und transparent erfolgen. Sie fordert zudem ein besseres Nachhalten der Ergebnisse sowie mehr Rückkopplung, damit Kinder sehen, dass ihre Beiträge ernst genommen und umgesetzt werden. In Anbetracht des Renovierungsstaus bei Spielplätzen – teilweise mit Sperrungen oder unklarer künftiger Nutzung – appelliert sie an Verwaltung und Politik, gemeinsam mit Kindern über Spielplatzschließungen zu entscheiden und kreative Lösungswege zu finden. Kinder und Jugendliche, so ihr abschließendes Plädoyer, sind Spezialist:innen in eigener Sache – sie brauchen Zeit, Raum und vor allem Beteiligung auf Augenhöhe.