11.75°C

All Stories

Stadtteilzentrum „Mittendrin“ – Erhalten, aber wie?

Das Stadtteilzentrum „Mittendrin“ in der Friedrich-Eggers-Straße gehört für viele Menschen einfach zu Wedel dazu. Es ist ein Ort, an dem man nicht nur Unterstützung findet, sondern auch Begegnung, Austausch und manchmal einfach nur ein offenes Ohr. Kurz gesagt: Das Zentrum leistet wichtige Arbeit – und es wäre ein großer Verlust, wenn dieser Raum eines Tages verschwinden würde. Dass „Mittendrin“ erhalten bleiben muss, steht für viele außer Frage. Die eigentliche Diskussion dreht sich deshalb um etwas anderes: Wie kann das gelingen?

Ein Gebäude am Ende seiner Lebensdauer

Das Problem liegt im Gebäude selbst. Es ist marode, vermutlich nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren – und damit mittelfristig nicht mehr nutzbar. Gleichzeitig ist die finanzielle Lage der Stadt angespannt. In den kommenden Jahren stehen Investitionen in einer Größenordnung von rund 250 Millionen Euro im Raum: für die Feuerwache, die Moorwegschule, ein neues Schwimmangebot, die P+R-Anlage – und eben auch für Gebäude wie das von „Mittendrin“. Die Realität ist: Eine Stadt wie Wedel kann diese Summe nicht einfach schultern. Deshalb stellt sich die Frage, wie man das Stadtteilzentrum retten kann, ohne dabei die städtischen Finanzen weiter zu überfordern.

Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt?

Es werden verschiedene Wege diskutiert – alle mit Vor- und Nachteilen. Im Kern geht es immer um die Frage: Wer trägt welche Kosten, wer behält welchen Einfluss und wie sicher ist die Zukunft der sozialen Nutzung?

Option 1: Die Stadt baut selbst neu.

Das wäre der klassische Weg: Die Stadt reißt das alte Gebäude ab und errichtet einen Neubau – idealerweise mit Fördermitteln im Rücken. Das Zentrum bliebe in öffentlicher Hand, die Kontrolle über Nutzung und Mietpreise wäre gesichert. Der Haken liegt auf der Hand: Die Stadt müsste Millionen investieren, die sie derzeit nicht hat. Selbst mit Förderung dürfte dieses Modell schwer zu stemmen sein.

Option 2: Verkauf mit Rückanmietung.

Ein Investor übernimmt das Grundstück, baut neu und vermietet das Erdgeschoss langfristig an die Stadt – für das Stadtteilzentrum. So ließen sich kurzfristig Mittel für den Haushalt generieren, und auch die Baukosten würde ein Dritter übernehmen. Aber: Die Stadt wäre dann nur noch Mieterin. Sie müsste sich auf langfristige Verträge und faire Konditionen verlassen. Was heute tragfähig erscheint, kann in 15 oder 20 Jahren ganz anders aussehen.

Option 3: Erbbaurecht mit sozialer Zweckbindung.

Dieses Modell bietet einen Mittelweg: Die Stadt bleibt Eigentümerin des Grundstücks, vergibt es aber im Erbbaurecht an einen Investor, der darauf baut – mit der vertraglichen Verpflichtung, das Stadtteilzentrum zu integrieren und langfristig zur Verfügung zu stellen. Dafür erhält die Stadt Erbbauzinsen, also regelmäßige Einnahmen. Vorteil: Die Kontrolle bleibt zum Teil erhalten. Nachteil: Der Vertrag muss wasserdicht sein – und er bringt keine kurzfristige Entlastung des Haushalts, sondern eher eine langfristige Stabilität.

Option 4: Öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP).

Hier übernimmt ein privater Partner Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb. Die Stadt zahlt dafür über viele Jahre hinweg ein Nutzungsentgelt. Vorteil: Es entsteht kein sofortiger Investitionsdruck. Nachteil: Die Kosten auf lange Sicht sind oft höher, und die Einflussmöglichkeiten der Stadt sind begrenzt.

Was sollte bei der Entscheidung bedacht werden?

Es geht bei dieser Entscheidung nicht nur um eine Immobilie. Es geht um Verlässlichkeit, Steuerbarkeit und die Frage, wie dauerhaft ein sozialer Ort wie „Mittendrin“ gesichert werden kann. Jede Lösung hat ihre eigenen Risiken. Ein Verkauf kann Luft im Haushalt schaffen, aber auch zu Abhängigkeiten führen. Ein Erbbaurecht bietet Stabilität, ist aber komplex. Und ein Eigenbau klingt ideal, ist aber finanziell derzeit kaum realistisch.

Deshalb ist wichtig, dass die Entscheidung mit offenem Blick getroffen wird – und nicht aus dem Bauch heraus. Welche Variante ist langfristig tragfähig? Wie viel Einfluss will und kann sich die Stadt sichern? Und welche Lösung schützt die Arbeit von „Mittendrin“ nicht nur heute, sondern auch noch in 10 oder 20 Jahren?

Diese Fragen verdienen eine ehrliche Debatte. Ohne Reflexe, ohne Scheuklappen – aber mit einem klaren Ziel: Das Stadtteilzentrum soll bleiben. Die Wege dahin müssen jetzt gut abgewogen werden.

Keine Zeit für Illusionen: Die Haushaltskonsolidierung ist alternativlos

Die Botschaft der Kommunalaufsicht ist eindeutig: Wedel steht finanziell am Abgrund. Ein strukturelles Defizit in Millionenhöhe, rapide schwindendes Eigenkapital, eine Verschuldung, die weit über dem Landesdurchschnitt liegt – und ein Kassenkreditbestand, der fast den gesamten kommunalen Dispo-Rahmen Schleswig-Holsteins ausschöpft.

Trotzdem wurde der Haushalt 2025 genehmigt. Aber nur unter der klaren Voraussetzung, dass der eingeschlagene Weg der Haushaltskonsolidierung konsequent weitergeführt wird – ohne faule Kompromisse, ohne Rückschritte, ohne Verzögerung.

Es gibt keine Spielräume mehr

Die Erwartung der Aufsichtsbehörde ist unmissverständlich:

  • Jeder Euro muss künftig doppelt hinterfragt werden.
  • Jede Leistung, jede Förderung, jede städtische Aufgabe steht auf dem Prüfstand.
  • Jede Maßnahme der Haushaltssicherung 2028 muss konkretisiert, beschlossen und umgesetzt werden – nicht irgendwann, sondern jetzt.

Wer glaubt, man könne sich aus der Lage „herauswarten“ oder mit symbolischen Einsparungen ein strukturelles Defizit von über 50 Millionen Euro in den Griff bekommen, verkennt die Realität.

Der politische Auftrag ist klar

Die Haushaltssicherung 2028 ist kein optionales Strategiepapier – sie ist der Preis für das finanzielle Überleben unserer Stadt. Ohne ihre Umsetzung wird es keine Genehmigung für den Haushalt 2026 geben. Und ohne genehmigten Haushalt steht die Stadt faktisch still: keine Investitionen, keine neuen Projekte, keine Handlungsspielräume – nicht für die Politik, nicht für die Verwaltung und nicht für die Bürgerinnen und Bürger.

Verantwortung bedeutet: Kurs halten – auch wenn es wehtut

Konsolidierung ist unangenehm. Sie verlangt Einschnitte. Sie führt zu Diskussionen. Aber sie ist notwendig. Wer jetzt Ausnahmen fordert, Privilegien verteidigt oder neue Ausgaben ins Spiel bringt, spielt mit der Zukunft dieser Stadt.

Wir haben die Chance, Wedel wieder auf stabile Füße zu stellen – aber nur, wenn wir den begonnenen Weg auch entschlossen zu Ende gehen.

→ Zur Übersicht der Haushaltssicherung 2028

Realität statt Wunschdenken: Warum wir den Carsharing-Beschluss aufheben wollten

In der Sitzung des Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschusses (UBF) am 13. März wurde unser Antrag zur Aufhebung des Carsharing-Ausschreibungsbeschlusses mit 5:5 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt – formal bedeutet das: Der Antrag ist gescheitert. Inhaltlich jedoch bleibt die Debatte offen, denn zentrale Fragen wurden nicht beantwortet – sie wurden verdrängt.

Die CDU-Fraktion hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema befasst. Wir haben uns mit den Stellungnahmen der Stadtwerke und der Stadtsparkasse auseinandergesetzt, die unmissverständlich auf finanzielle und organisatorische Risiken hinweisen. Beide Institutionen machen ihre Unterstützung von einer aktiven Beteiligung der Stadt abhängig – einschließlich Bürgschaften. Dies ist keine Nebensächlichkeit, sondern ein ernstzunehmender Aspekt, der in der Debatte am 13. März auffallend beiläufig behandelt wurde.

Stattdessen wurde unser Antrag, der lediglich eine erneute Abwägung ermöglichen sollte, von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen umgehend als „gegenstandslos“ bezeichnet. Die Grünen argumentieren, dass nur der Antragstext beschlossen wurde – nicht jedoch die Begründung, in der wesentliche finanzielle und strukturelle Implikationen offenkundig nicht ausreichend dargestellt waren. Diese Sichtweise blendet die politische Realität aus: Natürlich beeinflussen auch Begründungstexte die Meinungsbildung. Wenn dort entscheidende Informationen fehlten oder beschönigt wurden, ist eine Neubewertung nicht nur legitim, sondern notwendig.

Die Grünen warfen uns zudem vor, das Engagement der Ehrenamtlichen von „Wedel im Wandel“ zu delegitimieren. Das ist ein unzutreffender Vorwurf. Wir haben mehrfach betont, dass wir ehrenamtliches Engagement sehr schätzen. Aber politisches Handeln darf sich nicht allein auf gute Absichten stützen – es braucht belastbare Grundlagen, insbesondere wenn finanzielle Verpflichtungen der Stadt im Raum stehen.

Die SPD-Fraktion hat sich in der Debatte ebenfalls für die Ausschreibung ausgesprochen, verbunden mit dem Hinweis, das Projekt müsse schrittweise umgesetzt werden. Man solle sich auch extern beraten lassen – ein sinnvoller Gedanke, den wir unterstützen würden, wenn die Ausschreibung nicht bereits als gesetzt behandelt würde. Die FDP-Fraktion brachte den Aspekt des personellen Aufwands in die Diskussion ein und forderte eine Einschätzung der Verwaltung – ein Impuls, der in der Debatte leider nicht weiter vertieft wurde. Die WSI-Fraktion befürwortet das Mobilitätskonzept grundsätzlich, regte aber an, das Projekt vorerst zurückzustellen, da andere Aufgaben Priorität hätten. Auch Bürgermeisterin Fisauli-Aalto äußerte sich zurückhaltend und betonte, dass vor einer Ausschreibung ein Leistungsverzeichnis erforderlich sei – ein Hinweis, der den Widerspruch zum bisherigen Fahrplan deutlich macht.

Die Enthaltung der WSI-Fraktion war am Ende entscheidend dafür, dass unser Antrag abgelehnt wurde. Wir respektieren dieses Ergebnis. Aber wir halten fest: Die Kritik, die wir vorgebracht haben, bleibt bestehen – und sie bleibt berechtigt.

Politik darf sich nicht auf Wunschdenken verlassen. Wer die Umsetzung eines Projekts fordert, muss auch bereit sein, über mögliche Folgen zu sprechen. Wir werden diese Debatte weiterhin führen – sachlich, fundiert und verantwortungsbewusst. Denn eine nachhaltige Mobilitätspolitik braucht mehr als Symbolik: Sie braucht Substanz.

Das könnte Sie auch interessieren:

Carsharing in Wedel: CDU kritisiert fehlende Transparenz bei Ausschreibung

Stellungnahme zur Frage von Frau Rosemarie Binz-Vedder

Folgende Frage wurde auf Facebook mit der Ankündigung, diese bei der Einwohnerversammlung zu stellen, gepostet:
 
Wie stehen Sie und der Rat dazu, dass der 3.stellvertretende Bürgermeister sich „PRIVAT“ in der Presse (Link A) und der Fraktionsvorsitzende der CDU auf einer „ PRIVATen“ Homepage mit einer Rubrik „Social Media“ ( Link 😎 sich öffentlich sehr negativ über jeweils eine der beiden Wedeler Facebook-Gruppen und sogar über einzelne Personen mit Namensnennung, Links und Beiträgen äußern? (Das mag zwar rechtlich vertretbar sein, UNFAIR empfinde ich das auf alle Fälle).
Begründung:
Beide sind als „Personen Öffentlichen Lebens“ nicht nur bekannt, ihre Funktionen werden auch mehrmals genannt.
Chat GPT dazu:
„Ein Politiker (auch auf kommunaler Ebene) hat eine besondere Machtstellung und tritt mit einer gewissen Autorität auf. Wenn er:
• gezielt einzelne Bürger angreift,
• sie namentlich nennt oder leicht identifizierbar macht, und
• dies auf einer eigenen Plattform tut (Homepage, die für viele sichtbar ist), dann kann das abschreckende Wirkung auf die Meinungsäußerung anderer haben – was problematisch im Sinne der Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) ist.

Ich hatte leider einen anderen Termin im Rathaus. Daher konnte ich nicht vor Ort darauf reagieren.

Stellungnahme zur Frage von Frau Rosemarie Binz-Vedder

Sehr geehrte Frau Binz-Vedder,

zu Ihrer Frage, die sich direkt auf meine Person, meine Homepage wedel-politik.de und meine Rolle als Kommunalpolitiker bezieht, möchte ich mich ausdrücklich äußern – offen, sachlich und mit Respekt vor Ihrer Sorge um das politische Klima in unserer Stadt.


1. Öffentlichkeit ist keine Einbahnstraße

Ich dokumentiere auf meiner Seite politische Diskussionen, Ratsentscheidungen – und auch die Kommunikationskultur in sozialen Netzwerken. Wenn dort unter Klarnamen öffentlich kommentiert wird, wenn politische Verantwortungsträger wie die Bürgermeisterin, Ratsmitglieder, Verwaltung und auch ich persönlich mit schwerwiegenden Vorwürfen belegt werden, dann halte ich es für legitim und notwendig, das einzuordnen. Öffentliches Wort muss öffentlicher Einordnung standhalten. Das gilt für meine Beiträge genauso wie für andere.


2. Ich dokumentiere. Ich beleidige nicht.

In meinen Beiträgen zitiere ich wörtlich, verlinke öffentlich einsehbare Kommentare und ordne sie politisch ein. Ich greife niemanden persönlich an. Ich veröffentliche keine privaten Informationen. Ich stelle aber dar, was öffentlich gesagt wurde – auch dann, wenn sich diese Aussagen gegen mich selbst richten.

Ich bin in den letzten Monaten in öffentlichen Kommentaren unter anderem als „feige“, „verlogen“, „erbärmlich“, „charkaterlos“, „Demagoge“ oder „Hetzer“ bezeichnet worden. Man hat mir Demokratiefeindlichkeit unterstellt, behauptet, ich wolle Bürgerbeteiligung verhindern, und mich sogar in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt. Das alles steht nachweislich öffentlich im Netz – zum Teil seit Monaten, zum Teil mehrfach wiederholt.

Und dennoch habe ich bisher nicht mit persönlichen Angriffen reagiert, sondern mit Einordnung: Ich benenne Aussagen, ich analysiere ihre Wirkung, und ich stelle Zusammenhänge her, die politisch relevant sind. Ich dokumentiere ein Diskussionsklima – ich schüre es nicht.

Besonders bemerkenswert finde ich: Die Kritik an meinen Artikeln auf wedel-politik.de richtet sich fast ausschließlich gegen mich als Person – nicht gegen die Inhalte meiner Analyse. Es wird mir unterstellt, ich würde „spalten“, „diffamieren“ oder „zersetzen“. Aber kaum jemand geht auf meine Argumente ein. Kaum jemand widerspricht mir sachlich – zum Beispiel, indem er Belege liefert, Gegendarstellungen formuliert oder ein eigenes Verständnis von konstruktiver Debattenkultur aufzeigt.

Ich warte auf diese inhaltliche Auseinandersetzung. Ich wünsche sie mir sogar. Denn nur durch echte Debatte entsteht Fortschritt – nicht durch pauschale Abwertung oder persönliche Unterstellungen.


3. „He Lücht“ – persönliche Diffamierung statt Auseinandersetzung

Ein öffentlicher Beitrag von Gernot Kaser überschreitet inzwischen die Grenze zur persönlichen Diffamierung. Er bezeichnet mich indirekt als „He Lücht“ – also als notorischen Lügner –, unterstellt mir Täuschung, Manipulation und fordert meinen politischen Rückzug. Dabei bedient er sich falscher Behauptungen (etwa über angeblich gelöschte Beiträge), vermeidet jede sachliche Auseinandersetzung und setzt stattdessen auf Emotionalisierung und pauschale Abwertung.

Das ist kein politischer Diskurs mehr, sondern ein Angriff auf die Integrität meiner Person – und letztlich auch auf die Form, in der demokratische Debatten geführt werden sollten.


4. Ich bin ehrenamtlich – und dennoch verantwortlich

Ich bin kein Berufspolitiker. Ich engagiere mich ehrenamtlich, neben Beruf und Familie. Ich schreibe abends, nachts, am Wochenende. Und ich tue das, weil ich glaube, dass politische Aufklärung vor Ort stattfinden muss – auf Grundlage von Fakten, Quellen und Transparenz. Ich nehme dabei niemandem die Meinungsfreiheit – aber ich nehme mir das Recht, mich zu wehren, wenn diese Freiheit dazu genutzt wird, um pauschal zu verunglimpfen.


5. Anmerkung zum zitierten ChatGPT-Abschnitt

Sie zitieren in Ihrer Frage eine Einschätzung von ChatGPT, in der sinngemäß steht: Wenn Politiker einzelne Bürger gezielt kritisieren, könne das eine abschreckende Wirkung auf andere entfalten. Diese Einschätzung ist abstrakt – und sie beschreibt nicht mein Handeln.

Ich analysiere Kommunikationsmuster. Ich dokumentiere politische Aussagen. Ich kritisiere Äußerungen. Ich wäge ab und stelle dar – auch, weil ich zeigen möchte, wie Debatten kippen können, wenn aus Kritik Unterstellung wird, aus Meinung Verachtung. Genau diesen Effekt, den ChatGPT beschreibt, kritisiere ich selbst regelmäßig – denn viele in Wedel sagen mir inzwischen, dass sie sich in sozialen Netzwerken nicht mehr trauen, ihre Meinung zu sagen. Nicht wegen meiner Texte – sondern wegen der Schärfe und Abwertung, mit der dort auf andere reagiert wird.


6. Ich arbeite öffentlich – mit offenem Visier

Ich stehe mit meinem Namen für alles, was dort erscheint. Ich zitiere wörtlich, liefere Quellen, dokumentiere Entwicklungen. Wer etwas anderes behauptet, sollte konkret belegen, wo ich mich im Ton vergriffen oder falsche Tatsachen behauptet hätte. Das ist bislang nicht geschehen.


7. Mein Ziel ist nicht Eskalation, sondern Aufklärung

Ich schreibe nicht aus Gekränktheit – sondern weil ich glaube, dass sich politische Diskussionsräume verändern. Wenn Ratsmitglieder oder Verwaltungsmitarbeitende als „verlogen“, „verrottet“ oder „Verdunkelungsbürgermeisterin“ bezeichnet werden, wenn Gremien als illegitim oder „Nebengremien“ diffamiert werden, dann steht mehr auf dem Spiel als ein Meinungsstreit. Dann steht das Vertrauen in demokratische Prozesse auf dem Spiel.

Deshalb sage ich deutlich: Kritik ist nötig – aber sie braucht Maß, Respekt und Verantwortung. Und wenn sich diese Grenzen verschieben, dann darf und muss man das auch benennen dürfen.


8. Kritik an öffentlicher Kommunikation ist kein persönlicher Angriff

Ich weise den Vorwurf, ich würde Bürger:innen „angreifen“, mit allem Nachdruck zurück. Ich kritisiere politische Aussagen, Kommunikationsformen und destruktive Muster – nicht Menschen. Ich dokumentiere, ich kommentiere, ich analysiere. Wer sich öffentlich äußert, muss mit öffentlicher Einordnung rechnen – genauso wie ich mit Kritik an meiner Arbeit rechne.

Ich hoffe, dass wir in dieser Stadt wieder Räume für Diskussion schaffen, die weniger von Misstrauen und Polarisierung, dafür mehr von gegenseitigem Respekt geprägt sind. Dazu leiste ich meinen Beitrag – auch wenn dieser unbequem sein mag.

Mit freundlichen Grüßen

Jan Lüchau

 

Meine Meinung zur Debatte: Zwischen Schlagzeilen, Wirklichkeit und Verantwortung

Der aktuelle Meinungsbeitrag von Jan Melchior Bonacker in den sh:z-Zeitungen hat eine Debatte ausgelöst, die mich sehr beschäftigt – nicht nur als Kommunalpolitiker, sondern als Wedeler, der diese Stadt seit Jahren begleitet, liebt und auch kritisch beobachtet. Bonacker hat sich die Mühe gemacht, die aktuellen Negativschlagzeilen einzuordnen und dabei ein wichtiges Gegengewicht zur allgegenwärtigen Empörungswelle zu setzen. Dafür gebührt ihm Dank.

Sein Fazit ist einfach, aber zutreffend: Wedel ist mehr als Mordprozesse, Haushaltsdefizite und Bürgermeisterkonflikte. Diese Dinge existieren – aber sie sind nicht das ganze Bild.

Ein Kommentar, der vielen aus der Seele spricht

Der Leserkommentar von Niels Schmidt unter dem Artikel bringt es auf den Punkt: „Es tut mir in der Seele weh, wie manche Zeitgenossen bewusst oder unbewusst viel Mühe darauf verwenden, unsere Stadt schlecht zu reden.“ Ich stimme ihm zu. Kritik ist notwendig – auch harte. Aber wenn aus berechtigter Kritik ein dauerhaftes und teils bösartiges Schlechtreden wird, verliert sie ihren konstruktiven Kern. Dann geht es nicht mehr um Lösungen, sondern um Stimmung.

In meinem eigenen Kommentar unter Bonackers Artikel habe ich deshalb bewusst differenziert: Es geht nicht darum, Probleme zu leugnen. Wedel hat mit großen Herausforderungen zu kämpfen – im Haushalt, in der Stadtentwicklung, in der politischen Kultur. Aber Wedel hat eben auch eine starke Zivilgesellschaft, kulturelle Vielfalt, eine engagierte Bürgerschaft. Es gibt viele alltägliche Belege dafür, dass diese Stadt lebt – und eine Zukunft hat.

Kritik an der Kritik – und ein Missverständnis

Auf meinen Kommentar reagierte unter anderem Rosemarie Binz-Vedder – in der Kommentarspalte auf SHZ.de. Sie unterstellt mir und anderen, wir würden „den sozialen Medien die Schuld geben“ – konkret der Facebookgruppe Wedel Germany. Und sie fragt: Wer hat denn all die Negativschlagzeilen immer wieder aufgewärmt – die Presse oder die sozialen Netzwerke?

Ich halte diese Frage für berechtigt, aber in der Schlussfolgerung für zu kurz gegriffen. Es geht nicht darum, sozialen Medien als Ganzes die Schuld zu geben. Natürlich gibt es dort auch kluge Fragen, kreative Ideen und engagierte Diskussionen – und ich lese das durchaus. Was ich kritisiere – und das seit langem – ist die Art der Kommunikation, wie sie in einigen Bereichen dieser Plattformen gepflegt wird: oft polemisch, oft verzerrend, oft persönlich angreifend. Und das hat Folgen für die Debattenkultur in dieser Stadt.

Verantwortung ist keine Einbahnstraße

Niemand hat allein „Schuld“ am schlechten Image von Wedel. Aber alle tragen Verantwortung: die Presse, die Politik, die Bürgerinnen und Bürger – und auch diejenigen, die öffentlich kommentieren. Wer immer nur zuspitzt, muss sich nicht wundern, wenn der Ton rauer wird. Und wer sich empört, dass andere pauschalisieren, sollte selbst auf seine eigenen Pauschalurteile achten.

Ich bin überzeugt: Nur mit differenziertem Blick, mit der Bereitschaft zur Einordnung und mit dem Mut zur Sachlichkeit kommen wir als Stadt weiter. Auch das ist Aufklärung – vielleicht sogar die wichtigste Form davon.


Wedel ist nicht nur Krise. Wedel ist auch Potenzial. Und genau darum geht es auf dieser Seite: um eine offene, ehrliche, aber eben auch verantwortungsbewusste Auseinandersetzung mit dem, was ist – und was sein könnte.

➡️ Zum Artikel:
🔗 shz.de – "Darum ist Wedel nicht so schlimm"
💬 Facebook-Diskussion in der Gruppe „Wedel Germany“

Kritik braucht Substanz – nicht Seitenhiebe

Auf Facebook hat Gernot Kaser Bürgermeister a.D.  kürzlich die Entscheidung kommentiert, dass Wedels Erste Stadträtin künftig auch Aufgaben der büroleitenden Beamtin übernimmt. Was auf den ersten Blick wie eine kritische Auseinandersetzung mit Verwaltungsstrukturen aussieht, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als eine Mischung aus Unterstellungen, Halbwissen und Polemik.

Ich halte es für wichtig, bei aller politischen Differenz über Fakten zu sprechen. Und die sprechen in diesem Fall eine klare Sprache.

1. Die Bürgermeisterin bleibt verantwortlich – mit oder ohne Fachbereichsleitung

Kaser behauptet sinngemäß, unsere Bürgermeisterin könne sich durch die neue Aufgabenverteilung aus der Verantwortung ziehen, ja sogar „Golf spielen gehen“. Das ist nicht nur respektlos, sondern vor allem sachlich falsch.

Die Gemeindeordnung Schleswig-Holsteins (§ 56) stellt klar: Die Bürgermeisterin ist und bleibt Leiterin der Verwaltung. Sie trägt die Gesamtverantwortung – auch wenn operative Aufgaben delegiert werden. Die Vorstellung, sie sei nur noch Repräsentantin ohne Einfluss, ist schlicht Unsinn.

2. Die Rolle der büroleitenden Beamtin wird überzeichnet

Kaser zeichnet das Bild einer büroleitenden Beamtin als strategisches Machtzentrum der Verwaltung – losgelöst von der Bürgermeisterin. Auch das ist sachlich nicht haltbar. Die Büroleitung dient der internen Steuerung, Koordination und Unterstützung der Verwaltungsführung – nicht der Machtausübung in eigener Sache. Sie arbeitet unter der Leitung der Bürgermeisterin, nicht neben oder über ihr.

3. Personalunion ist gängige Praxis

Dass eine Person sowohl einen Fachbereich führt als auch die Büroleitung übernimmt, mag herausfordernd sein – ist aber in vielen Städten vergleichbarer Größe gängige Praxis. Die Eignung dafür hängt nicht am Titel, sondern an Kompetenz, Organisationstalent und Erfahrung. Pauschal zu unterstellen, das könne nicht funktionieren, wird der Sache nicht gerecht.

4. Polemik ersetzt keine Verantwortung

Besonders befremdlich finde ich den zynischen Abschluss von Kasers Beitrag: „TEAM – Toll Einer Allein Macht die Arbeit“. Solche Sprüche mögen in sozialen Medien für Aufmerksamkeit sorgen – sie leisten aber keinen Beitrag zur Diskussion um die besten Strukturen für unsere Verwaltung. Sie stellen Persönlichkeiten bloß und säen Misstrauen.

Wenn man Verwaltung ernst nimmt – und ich tue das –, dann muss man sich auch die Mühe machen, ihre Strukturen, Herausforderungen und Verantwortlichkeiten differenziert zu betrachten. Dazu gehört auch, anzuerkennen, dass Führungsmodelle sich weiterentwickeln – und dass das nicht automatisch etwas mit Schwäche oder Verschiebung von Verantwortung zu tun hat.


Mein Fazit:

Statt die Verwaltung pauschal zu verurteilen oder einzelne Führungspersonen ins Lächerliche zu ziehen, sollten wir anerkennen, wie komplex moderne Verwaltungsarbeit geworden ist. Verantwortung heißt nicht, alles selbst zu machen – sondern dafür zu sorgen, dass das Ganze gut funktioniert. Wer das nicht sehen will, hat entweder kein Interesse an guter Verwaltung oder keine Ahnung davon.

PS: Vielleicht hat Herr Kaser einfach vergessen, dass er selbst – sinngemäß – im Interview vom 21.02.2024 sagte: „Ich präferiere das Modell Rendsburg, bei dem einer der Fachbereichsleiter zusätzlich die Funktion des büroleitenden Beamten übernimmt.“ (sinngemäßes Zitat, Quelle: YouTube-Kanal „WedelNews“, Interview mit Bürgermeister Kase, 21.04.2024, ca. Minute 11:00)

Realität oder Dramatisierung? Eine kritische Einordnung des Facebook-Posts zur Wedeler Innenstadt

11.04.2025
Ein Kommentar zu diesem Beitrag:
👉 facebook.com/groups/2403582987/permalink/10162303095572988

Diesen Facebook-Beitrag habe ich gelesen – und als jemand, der hier gelebt, gearbeitet und mitgestaltet hat, macht mich das richtig wütend.

Ich habe fast 20 Jahre lang in der Bahnhofstraße gelebt, gewohnt und gearbeitet. Mehr als zehn Jahre war ich aktiv in der Kaufmannschaft, habe Entwicklungen begleitet, diskutiert, mitgestaltet. Ja, ich kenne die Probleme unserer Innenstadt. Ja, vieles läuft schief. Aber was in diesem Beitrag gezeichnet wird, ist kein realistisches Bild – es ist ein verzerrter Blick, der Emotion über Einordnung stellt.

Die Innenstadt hat Probleme – keine Frage

Der Rathausplatz ist unbelebt, die Bahnhofstraße kein Ort zum Verweilen, und gastronomisch wird es abends schnell still. Treffpunkte fehlen, Konzepte auch. Diese Entwicklung verläuft nicht erst seit gestern – und sie ist ein echtes Problem für alle, die Wedel als lebendigen Ort verstehen wollen.

Aber: Das ist keine neue Erkenntnis. Und sie rechtfertigt keine Schwarzmalerei, die jedes Einzelereignis in einen dramatischen Gesamtabsturz der Stadt einbettet.

Drei Verbrechen = Beweis für eine unsichere Innenstadt?

Der Facebook-Post nennt drei erschütternde Straftaten:

  • Ein brutaler Angriff eines Barbetreibers auf seine schwangere Lebensgefährtin – im Inneren einer seit Jahren bekannten Problemkneipe.
  • Eine körperliche Auseinandersetzung zwischen Kioskbesitzer und mutmaßlichem Ladendieb – mit eindeutig persönlichem Bezug.
  • Eine Messerattacke auf einen Lehrer vor der VHS – mutmaßlich aus familiären Motiven, fernab zufälliger Straßenkriminalität.

Was alle drei Fälle gemeinsam haben: Sie sind erschütternd, aber nicht repräsentativ für das Leben in der Wedeler Innenstadt. Es handelt sich um Einzelfälle – mit persönlichen Hintergründen und Tatorten, die nichts über die allgemeine Sicherheitslage im öffentlichen Raum aussagen.

Gefühle sind real – aber keine Statistik

Natürlich: Wer sich abends unwohl fühlt, darf das sagen. Und natürlich ist gefühlte Sicherheit wichtig. Aber sie darf nicht durch Dramatisierung aufgebläht werden. Wenn drei extreme Vorfälle zu einem angeblich typischen Stadtbild erklärt werden, entsteht ein verzerrter Eindruck. Angst wird verstärkt. Vertrauen leidet. Und reale Probleme werden in einem Meer aus Emotionen ertränkt.

Was uns wirklich fehlt: ehrliche Diskussion statt Empörungswelle

Wir müssen über die Entwicklung der Innenstadt reden. Über Leerstand, über Aufenthaltsqualität, über Perspektiven für Gastronomie, Handel und Kultur. Aber das geht nicht mit pauschalen Rundumschlägen. Es braucht konkrete Vorschläge, Beteiligung, Verantwortung – und den Mut, Dinge differenziert zu betrachten.

Denn Wedel ist nicht leer.

Zwischen all den kritisierten Entwicklungen gibt es sie noch – die Momente, die unsere Stadt lebendig machen:

  • Wenn man bei Denis im Eiscafé Venezia ein Eis genießt und mit Freunden ins Gespräch kommt.
  • Wenn man bei Aytac gegenüber im „Wintergarten“ sitzt und sich in der Mittagspause einen Döner schmecken lässt.
  • Wenn Schulkinder bei Gerd Steyer ihr Taschengeld für kleine Überraschungen ausgeben.
  • Wenn man bei Frau Voigt nicht nur die Tageszeitung holt, sondern auch einen netten Plausch führt.
  • Wenn Herr Schümann zuverlässig die Brille repariert – schnell, freundlich, persönlich.
  • Oder wenn man sich bei Frau Hatecke in der Parfümerie Nickel einen neuen Duft zeigen lässt.
  • Wenn man bei einem Stück Kuchen von Hartmut Stünkel in den Welau Arkaden über vergangene Bona-Nächte sinniert.
  • Wenn man bei Lehmanns oder Lüchau stöbert, um die neuesten Modetrends zu entdecken.
  • Wenn man bei Junge einen Kaffee trinkt – …und schräg gegenüber im Hähnchen-Grill montags für 1,50 € seine Pommes genießt.

Das ist auch Wedel. Und genau diese Alltagsmomente, diese Gesichter, diese Begegnungen gehören in jedes ehrliche Bild unserer Stadt.

Und es gibt noch viele weitere dieser Orte, Menschen und Begegnungen – man muss nur hinschauen.

Fazit: Mehr Realitätssinn, weniger Dramaturgie

Der Facebook-Beitrag spricht ein wichtiges Thema an – aber auf eine Art, die mehr schadet als hilft. Wer aus Einzelfällen eine allgemeine Bedrohungslage macht, erzeugt keine Lösungen, sondern Ängste.

Wedel hat Herausforderungen. Aber Wedel ist nicht verloren.
Zwischen ehrlicher Kritik und gezielter Empörung gibt es einen Raum – und genau dort entsteht Veränderung.

🔍 Fakten statt Stimmungsmache – zur Diskussion um Sparkassengewinne

In den sozialen Medien wird derzeit der Eindruck erweckt, die Stadt Wedel hätte sich über viele Jahre hinweg Einnahmen in Millionenhöhe entgehen lassen – weil angeblich keine Ausschüttungen der Stadtsparkasse erfolgt seien.

👉 Was dabei gerne ausgeblendet wird:
Die Entscheidung über mögliche Gewinnabführungen liegt allein beim Verwaltungsrat der Sparkasse. Dieser ist nicht an Weisungen aus Politik oder Verwaltung gebunden, sondern gesetzlich zur Eigenständigkeit verpflichtet. Die Sparkasse handelt auf Grundlage des Sparkassengesetzes und als rechtlich selbstständiges Institut des öffentlichen Rechts – sie ist kein Eigentum der Kommune, sondern handelt im eigenen Unternehmensinteresse.

📌 § 27 des Sparkassengesetzes ermöglicht Ausschüttungen – verpflichtet aber nicht dazu. Die Entscheidung ist eine unternehmerische, und hängt von der Ertragslage, der Risikovorsorge und der strategischen Ausrichtung der Sparkasse ab. Ein Rückblick mit pauschalen Hochrechnungen über Jahrzehnte hinweg ist nicht nur spekulativ, sondern verkennt diese komplexen Rahmenbedingungen.

📣 Besonders irritierend ist, wenn ausgerechnet ehemalige Mitglieder dieses Verwaltungsrats heute lautstark Missstände anprangern, die sie selbst hätten thematisieren können – und sollen. Wer jetzt Transparenz fordert, sollte auch eigene Verantwortung nicht ausblenden.

⚖️ Noch ein Punkt ist wichtig: Wir leben in einem Rechtsstaat. Eine politische Einflussnahme auf den Verwaltungsrat wäre nicht nur rechtlich unzulässig, sondern ein Eingriff in die Unabhängigkeit eines gesetzlich geschützten Gremiums. Wer suggeriert, die Stadt hätte über Gewinne verfügen können, verzerrt bewusst den rechtlichen Rahmen.

📊 Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung hat die Stadt alles geprüft, was in ihrer Zuständigkeit liegt – auch Beteiligungen. Doch dort, wo keine rechtliche Grundlage für Einfluss besteht, ersetzt keine noch so populäre Forderung die Faktenlage.

Begründung zum Antrag der Maßnahmenerweiterung der CDU

Am Montag, dem 17.03.2025 wurde erstmalig der Antrag der CDU zur Maßnahmenerweiterung im Haupt- und Finanzausschuss zur Diskussion freigegeben. Letztendlich kam es nicht dazu, dass diskutiert und abgestimmt wurde, da die Fraktionsvorsitzenden sich darauf einigen konnten, dass der Verwaltungsvorschlag die zukünftige Basis für die Konsolidierung sein soll.

Ein erster großer Schritt nach 12 Jahren der Konsolidierung, die gescheitert sind. Davon war mindestens 1 Jahr komplett verschenkt. Wir hätten schon Ende 2023 so weit sein können. Aber dank mangelhafter Führung des Rathauses kam es nicht dazu. 

Hier mein Wortbeitrag zu der Maßnahmenerweiterung:

„Lassen Sie uns eines gleich zu Beginn klarstellen: Weder die Haushaltskonsolidierung noch die Verschärfung der Maßnahmen sind ‚vergnügungssteuerpflichtig‘. Ganz im Gegenteil. Niemand von der CDU ist begeistert, niemand ist erfreut. Aber nach mehr als zwölf Jahren Konsolidierungsbemühungen müssen wir heute feststellen: Dieses Konzept ist gescheitert.

Es ist frustrierend, dass trotz dieses Wissens, dass trotz der unbestreitbar prekären finanziellen Lage einige auch heute noch den Bürgerinnen und Bürgern suggerieren, es gebe Spielräume, es gebe Wahlmöglichkeiten – als könnten wir uns aussuchen, wo wir sparen und wo nicht. Doch diese Optionen haben wir schlichtweg nicht! Und genau das möchten wir heute näher erläutern.

Immerhin. Es gibt einen Punkt, in dem wir uns alle einig sind: Es muss gespart werden. Das war leider nicht immer so. Wie oft haben wir davor gewarnt, dass genau das passieren wird, was wir heute erleben! Außenstehende konnten schon den Eindruck gewinnen, die CDU sei eine Gruppe von Verschwörungstheoretikern. Doch leider sollten wir recht behalten.

Wir stehen am Rande eines finanziellen Worst-Case-Szenarios. Die Lage ist so dramatisch, dass wir nicht einmal mehr die zentrale Vorgabe der Kommunalaufsicht erfüllen können: einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Und wir verfehlen dieses Ziel nicht etwa um ein paar Hunderttausend Euro – sondern um rund 17 Millionen Euro.

Eigentlich wäre dieser Haushalt damit nicht genehmigungsfähig. Um dennoch eine Chance auf eine Genehmigung zu haben, hat die Verwaltung dieses Maßnahmenpaket geschnürt.

Dieses Paket soll die Grundlage dafür sein, dass wir uns finanziell endlich in ruhigere Fahrwasser bewegen. Ziel ist es, bis 2028 eine Ergebnisverbesserung von 9,5 Millionen Euro gegenüber der ursprünglichen Planung zu erzielen. Damit würden wir einen Jahresüberschuss von 3,3 Millionen Euro erreichen. Doch dabei gibt es vier Probleme, die wir nicht ignorieren dürfen:

  1. Die Zukunft ist ungewiss.
    Wir wissen alle, wie schwierig es ist, drei Jahre im Voraus zu planen. Keine Glaskugel der Welt kann uns garantieren, dass wir diese 3,3 Millionen Euro Überschuss tatsächlich erreichen. Doch eines wissen wir sicher: Wir können es uns nicht leisten, dass unsere Planungen so weit von der Realität abweichen, dass wir im Laufe des Jahres wieder in die roten Zahlen rutschen. Denn dann müssten wir erneut Schulden aufnehmen, nur um unser „tägliches Brot“ zu finanzieren.
  2. Auch das Konsolidierungspaket ist keine Garantie.
    Die darin enthaltenen Zahlen sind alles andere als sicher. Viele Maßnahmen sind bisher nicht einmal in einer Konzeptphase, und ihre tatsächliche Wirkung kann erst mit der Umsetzung beurteilt werden. Das bedeutet: Es gibt viel Spielraum für Fehlplanungen, aber keinerlei finanzielle Spielräume, um sie auszugleichen.

Die Wahrheit ist: Wir haben unsere Reserven aufgebraucht. Wenn unsere Prognosen nicht aufgehen, müssen wir zusätzliche Schulden aufnehmen. Deshalb brauchen wir einen Puffer, um mögliche negative Entwicklungen abzufedern.

  1. Ein Punkt, der oft in Vergessenheit gerät:
    Unsere Haushaltsplanungen der kommenden Jahre beinhalten jährliche Grundstücksverkäufe in Höhe von rund 3 Millionen Euro – letztmalig im Jahr 2028.

Wenn wir also ehrlich sind, dann erreichen wir 2028 nicht etwa einen nachhaltigen Überschuss, sondern gerade einmal eine schwarze Null – und das nur durch den Verkauf unseres städtischen Eigentums.

  1. Und wie soll es ab 2029 weitergehen?
    Selbst wenn wir 2028 die schwarze Null erreichen, stehen wir weiterhin vor einem Schuldenberg von ca. 135Millionen Euro. Herr Scholz hat uns bereits klargemacht, dass wir mit einer Zinslast von 7 Millionen Euro pro Jahr rechnen müssen – 7 Millionen Euro, die uns jedes Jahr fehlen werden. Ich höre immer wieder Stimmen, die fragen: Wann fangt ihr eigentlich an, Schulden abzubauen?
    Die bittere Wahrheit ist: So, wie es jetzt aussieht – gar nicht.

Denn um überhaupt investieren zu können, werden wir weiterhin neue Schulden machen müssen. Und das nicht zu knapp: Es warten Investitionen im dreistelligen Millionenbereich auf uns. Wie soll das finanziert werden?

Eigentlich – und so war es auch eines unserer erklärten Ziele aus dem Jahr 2014 – wollten wir jeden Euro, den wir investieren, über den Ergebnishaushalt erwirtschaften.

Nun gut, wir sind realistisch genug, um zu wissen, dass das in dieser Dimension nicht umsetzbar ist. Aber wenn wir nicht in den Schulden ertrinken und irgendwann, vielleicht in zehn Jahren, wieder aktiv gestalten wollen, dann müssen wir jetzt in den sauren Apfel beißen.

Dass die Grundsteuer nicht erhöht werden sollte, sollte dabei eigentlich klar sein. Nach über 12 Jahren Konsolidierung ohne nennenswerte Sparmaßnahmen, aber 2-maliger Hebesatzerhöhung kann es nicht die Lösung sein, ein drittes Mal zum Zwecke der Einnahmenerhöhung den Hebesatz zu erhöhen. Zumal wir im Hamburger Umland bereits zur Spitzengruppe gehören. Daher beantragen wir, dass eine Erhöhung erst in Frage kommt, wenn alle anderen Mittel nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Selbstverständlich könnten wir unsere 100-%-Tochter, die Stadtwerke Wedel, über die nächsten Jahre hinweg 50 % des Gewinns einziehen. Dann sollten wir aber auch so fair sein und den Stadtwerken sagen, welche Geschäftsfelder sie aufgeben sollen, da auch die Stadtwerke vor erheblichen Investitionen stehen. Daher halten wir es für einen guten Kompromiss, wenn ab 2026 3 % des gezeichneten Kapitals in die Stadtkasse fließen sollen.

Ein Blick auf andere Kommunen zeigt, dass es sehr wohl Einsparpotenzial gibt:

Volkshochschule: Wedel zahlt rund 900.000 € Zuschuss, während Städte wie Elmshorn mit ca. 650.000 € auskommen. Pinneberg sogar nur 356.800 € oder Geesthacht mit ihrer gemeinnützigen GmbH nur 78.000 €

Bibliothek: Auch hier liegt Wedel mit 1.235.100 € an der Spitze. Währenddessen haben Städte wie Elmshorn (1.031.600 €), Itzehoe (689.400 €), Pinneberg (666.800 €), Reinbek (642.000 €) oder Heide (272.600 €) deutlich niedrigere Kosten.

Auch im Stellenplan der Stadtbücherei zeigt sich ein deutliches Bild. Wedel ist mit seinen rund 10 Stellen in der Spitzengruppe vertreten.

Musikschule: Nach Statistiken des Verbandes deutscher Musikschulen e. V. liegen die Beiträge der Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein bei 55,39 % (2023) vom Gesamtetat. In Wedel sind es lediglich 36 % (ohne ILV).

Auch hier zeigt sich deutlich, dass Wedel im Vergleich zu anderen Städten mehr Ressourcen aufwendet. Diese Zahlen zeigen:Es gibt noch Sparpotenzial, das wir dringend nutzen müssen!

Noch befinden wir uns nicht in der Vergeblichkeitsfalle. Noch können wir uns durch eigene Maßnahmen aus einer prekären Finanzlage befreien. Wir möchten es nicht erleben, dass wir uns trotz aller Anstrengungen nicht mehr eigenständig retten können.

Daher bitten wir um Zustimmung zu den Maßnahmenerweiterungen zur VHS, Musikschule, Stadtbücherei, SKB und den Spielplätzen. Außerdem bitten wir um Zustimmung zur Streichung der Grundsteuererhöhung und der Änderung hinsichtlich der Gewinnausschüttung der Stadtwerke."

Die drei Sparmaßnahmen eines YouTubers? Eine kritische Analyse

In einem YouTube-Video vom 15. Januar 2025 stellt ein Wedeler YouTuber drei Vorschläge für Einsparungen vor, die der Stadt angeblich jährlich 367.000 Euro bringen sollen. Doch sind diese Vorschläge tatsächlich Sparmaßnahmen? Ein genauer Blick zeigt: Diese Ansätze sind keine echten Einsparungen, sondern verschieben Kosten oder generieren lediglich zusätzliche Einnahmen mit potenziellen Nachteilen. Hier die Analyse der drei Vorschläge:

1. Einführung der Bettensteuer

Die Bettensteuer könnte der Stadt Wedel geschätzte 200.000 Euro jährlich einbringen. Doch dabei handelt es sich um eine neue Steuer, die von den Übernachtungsgästen der Stadt erhoben würde – keine Einsparung. Zudem ist diese bereits im Haushaltsentwurf 2025 mit genau diesem Betrag eingeplant, was bedeutet, dass es sich nicht einmal um eine zusätzliche Einnahme handelt. Diese Maßnahme könnte sogar negative Effekte auf den Tourismus haben, da höhere Kosten potenziell Gäste abschrecken könnten. Zusätzlich entstehen Verwaltungsaufwände für die Erhebung und Kontrolle der Steuer, die die tatsächlichen Netto-Einnahmen verringern könnten.

Beweis Haushaltsentwurf 2025 Bettensteuer und Zweitwohnungssteuer

2. Einführung der Zweitwohnungssteuer

Ähnlich wie die Bettensteuer ist auch die Zweitwohnungssteuer keine Sparmaßnahme, sondern eine zusätzliche Einnahmequelle. Diese würde laut Vorschlag 72.000 Euro pro Jahr einbringen. Allerdings ist diese Steuer bereits im Haushaltsentwurf 2025 mit 150.000 Euro eingeplant, und im Jahr 2023 wurden bereits Einnahmen von rund 140.000 Euro erzielt. Das bedeutet, dass es sich hierbei nicht um eine echte Einnahmenerhöhung handelt, sondern lediglich um eine Fortsetzung bestehender Maßnahmen. Solche Steuern können zudem bei den betroffenen Bürger*innen für Unmut sorgen und politische Spannungen erzeugen.

3. Streichung des Zuschusses an Wedel Marketing

Der Vorschlag, den jährlichen Zuschuss von 95.000 Euro für Wedel Marketing zu streichen, könnte auf den ersten Blick wie eine Einsparung wirken. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass dies erhebliche negative Folgen hätte:

  • Wedel Marketing übernimmt zentrale Aufgaben wie die Organisation von Veranstaltungen, die Unterstützung der lokalen Wirtschaft und das Stadtmarketing. Ohne den Zuschuss könnten diese Aufgaben nicht mehr erfüllt werden.
  • Die Finanzierung des Vereins basiert zu 31 % auf dem städtischen Zuschuss. Fällt dieser weg, würden auch weitere Einnahmen wie Mitgliedsbeiträge (25 %) und Sponsoring (15 %) gefährdet, da der Verein in seiner aktuellen Form nicht bestehen bleiben könnte.
  • Die Stadt müsste die wegfallenden Aufgaben selbst übernehmen, was voraussichtlich höhere Kosten verursachen würde als der derzeitige Zuschuss.

Dieser Vorschlag ist somit keine Einsparung, sondern eine Kostenverlagerung mit erheblichen Nachteilen für die Stadt.

Fazit

Keiner der drei Vorschläge stellt eine echte Sparmaßnahme dar:

  1. Die Bettensteuer und Zweitwohnungssteuer sind Einnahmequellen, keine Einsparungen, und können zusätzliche Verwaltungskosten oder negative Auswirkungen haben. Zudem sind beide bereits im Haushaltsentwurf 2025 berücksichtigt.
  2. Die Streichung des Zuschusses für Wedel Marketing würde wichtige Dienstleistungen gefährden und langfristig zu höheren Kosten führen.

Echte Sparmaßnahmen erfordern durchdachte Strategien, die langfristige Auswirkungen auf die Stadt und ihre Bürger*innen berücksichtigen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen verfehlen dieses Ziel und könnten der Stadt Wedel letztlich mehr schaden als nützen.

 

Please fill the required field.
Image

Download Our Mobile App

Image
Image