UPDATE: 12.04.2025
Offener Brief zur Kritik an meinem Meinungsbeitrag
UPDATE: 12.04.2025
Offener Brief zur Kritik an meinem Meinungsbeitrag
Diesen Facebook-Beitrag habe ich gelesen – und als jemand, der hier gelebt, gearbeitet und mitgestaltet hat, macht mich das richtig wütend.
Ich habe fast 20 Jahre lang in der Bahnhofstraße gelebt, gewohnt und gearbeitet. Mehr als zehn Jahre war ich aktiv in der Kaufmannschaft, habe Entwicklungen begleitet, diskutiert, mitgestaltet. Ja, ich kenne die Probleme unserer Innenstadt. Ja, vieles läuft schief. Aber was in diesem Beitrag gezeichnet wird, ist kein realistisches Bild – es ist ein verzerrter Blick, der Emotion über Einordnung stellt.
Der Rathausplatz ist unbelebt, die Bahnhofstraße kein Ort zum Verweilen, und gastronomisch wird es abends schnell still. Treffpunkte fehlen, Konzepte auch. Diese Entwicklung verläuft nicht erst seit gestern – und sie ist ein echtes Problem für alle, die Wedel als lebendigen Ort verstehen wollen.
Aber: Das ist keine neue Erkenntnis. Und sie rechtfertigt keine Schwarzmalerei, die jedes Einzelereignis in einen dramatischen Gesamtabsturz der Stadt einbettet.
Der Facebook-Post nennt drei erschütternde Straftaten:
Was alle drei Fälle gemeinsam haben: Sie sind erschütternd, aber nicht repräsentativ für das Leben in der Wedeler Innenstadt. Es handelt sich um Einzelfälle – mit persönlichen Hintergründen und Tatorten, die nichts über die allgemeine Sicherheitslage im öffentlichen Raum aussagen.
Natürlich: Wer sich abends unwohl fühlt, darf das sagen. Und natürlich ist gefühlte Sicherheit wichtig. Aber sie darf nicht durch Dramatisierung aufgebläht werden. Wenn drei extreme Vorfälle zu einem angeblich typischen Stadtbild erklärt werden, entsteht ein verzerrter Eindruck. Angst wird verstärkt. Vertrauen leidet. Und reale Probleme werden in einem Meer aus Emotionen ertränkt.
Wir müssen über die Entwicklung der Innenstadt reden. Über Leerstand, über Aufenthaltsqualität, über Perspektiven für Gastronomie, Handel und Kultur. Aber das geht nicht mit pauschalen Rundumschlägen. Es braucht konkrete Vorschläge, Beteiligung, Verantwortung – und den Mut, Dinge differenziert zu betrachten.
Denn Wedel ist nicht leer.
Zwischen all den kritisierten Entwicklungen gibt es sie noch – die Momente, die unsere Stadt lebendig machen:
Das ist auch Wedel. Und genau diese Alltagsmomente, diese Gesichter, diese Begegnungen gehören in jedes ehrliche Bild unserer Stadt.
Und es gibt noch viele weitere dieser Orte, Menschen und Begegnungen – man muss nur hinschauen.
Der Facebook-Beitrag spricht ein wichtiges Thema an – aber auf eine Art, die mehr schadet als hilft. Wer aus Einzelfällen eine allgemeine Bedrohungslage macht, erzeugt keine Lösungen, sondern Ängste.
Wedel hat Herausforderungen. Aber Wedel ist nicht verloren.
Zwischen ehrlicher Kritik und gezielter Empörung gibt es einen Raum – und genau dort entsteht Veränderung.