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Kultur und Bildung in Wedel: Was uns der Blick über den Tellerrand lehrt

Um die aktuelle Haushaltsdebatte sachlich führen zu können, müssen wir uns ansehen, wie andere Kommunen ihre Bildungs- und Kultureinrichtungen organisieren. Ein Blick in die Anlagen unseres Haushaltsbegleitbeschlusses offenbart eine deutliche Schieflage: Wedel leistet sich in vielen Bereichen Zuschüsse, die weit über dem Niveau vergleichbarer Städte in Schleswig-Holstein liegen.

1. Volkshochschule (VHS): Spitzenreiter beim Defizit

Die Volkshochschule ist ein Herzstück unserer Bildungslandschaft. Doch der interkommunale Vergleich zeigt, dass Wedel hier im Jahr 2024 mit einem negativen Jahresergebnis von rund 902.300 Euro an der Spitze steht.

  • Zum Vergleich: Städte wie Heide (-646.000 €) oder Elmshorn (-634.200 €) kommen mit deutlich geringeren Zuschüssen aus.
  • Noch deutlicher wird der Unterschied zu Städten wie Pinneberg (-356.800 €) oder Bad Oldesloe (-335.700 €).
  • Interessant ist der Blick auf andere Rechtsformen: Die VHS Geesthacht, die als gGmbH geführt wird, weist lediglich ein Defizit von rund 78.000 Euro aus.

Dies zeigt, dass die Organisationsform und die Bewirtschaftung einen massiven Einfluss auf die Belastung des städtischen Haushalts haben.

2. Musikschule: Städtische Struktur vs. Vereinsmodelle

Bei der Musikschule ist der Kontrast besonders extrem. Wedel führt seine Musikschule als rein städtische Einrichtung mit einem Zuschussbedarf von 942.000 Euro. Damit liegen wir fast auf Augenhöhe mit der weitaus größeren Stadt Norderstedt (-881.800 €).

Ein Blick auf Städte, die ihre Musikschulen als eingetragene Vereine (e.V.) organisieren, zeigt ein völlig anderes Bild:

  • Musikschule Pinneberg e.V.: ca. 305.000 € Zuschuss.
  • Musikschule Elmshorn e.V.: ca. 103.700 € Zuschuss.
  • Musikschule Glinde (mit Reinbek) e.V.: ca. 94.600 € Zuschuss.

Während Wedel also fast eine Million Euro beisteuert, kommen Nachbarstädte mit einem Bruchteil dieser Summe aus, um ein qualitativ hochwertiges Musikschulangebot sicherzustellen. Hier liegt ein enormes Einsparpotenzial durch strukturelle Veränderungen.

3. Stadtbücherei: Höchste Kosten im Vergleich

Auch bei der Stadtbücherei belegt Wedel den unrühmlichen ersten Platz im Kostenvergleich (ohne kreisfreie Städte). Mit einem Jahresergebnis von -1.235.100 Euro für 2024 ist der Zuschussbedarf in Wedel signifikant höher als in anderen Kommunen:

  • Elmshorn: -1.031.600 €
  • Itzehoe: -689.400 €
  • Pinneberg: -666.800 €
  • Heide: -272.600 €

Obwohl die Stadtbücherei eine wichtige soziale und bildungspolitische Funktion erfüllt, müssen wir uns fragen, warum der Betrieb in Wedel fast doppelt so viel kostet wie in Pinneberg oder Itzehoe.

Fazit: Strukturreform statt Kahlschlag

Diese Vergleiche machen eines deutlich: Die Forderung nach einem Kostendeckungsgrad von 80 % ist kein willkürlicher Wert. Er ist der notwendige Anstoß, um über moderne Trägerformen, interkommunale Zusammenarbeit und effizientere Abläufe nachzudenken.

Wir wollen das Angebot in Wedel erhalten. Aber wir können nicht länger ignorieren, dass unsere Nachbarn zeigen, wie Bildung und Kultur mit deutlich weniger Steuergeld auf hohem Niveau organisiert werden können. Angesichts eines 50-Millionen-Euro-Defizits ist es unsere Pflicht, diese Strukturen jetzt anzupassen.

Wedel am finanziellen Scheideweg

Ein Kommentar

Die nackten Zahlen der aktuellen Haushaltsplanung für 2026/2027 lassen keinen Spielraum für Interpretationen: Die Stadt Wedel steckt in einer tiefen strukturellen Krise. Während das Eigenkapital im Jahr 2011 noch stolze 83 Millionen Euro betrug, steuern wir laut Prognosen bis 2030 auf ein Minus von 4,5 Millionen Euro zu. Gleichzeitig explodieren die Kassenkredite – allein 2025 stiegen die Zinsaufwendungen hierfür auf über eine Million Euro.

Ich habe mir die aktuellen Pläne der Verwaltung und der Politik angeschaut. Mein Fazit: Die ersten Schritte sind getan, aber wir kurieren bisher eher an den Symptomen, statt die Ursachen radikal anzugehen.

Hier sind alle Fragen der Politik zum Haushalt 2026/27 und die dazugehörigen Antworten zusammengefasst.

1. Der Status Quo: Woher kommt das Geld, wo geht es hin?

Um den Haushalt zu stützen, hat die Mehrheit der Politik schmerzhafte Entscheidungen getroffen. Die markanteste ist die Erhöhung der Grundsteuer B auf 630 % ab 2026. Dies bringt der Stadtkasse etwa 1,3 Millionen Euro jährlich ein – belastet aber jeden Haushalt in Wedel direkt oder indirekt über die Mietnebenkosten.

Gleichzeitig versucht die Verwaltung über eine „Globale Minderausgabe“ (eine 20%-Sperre auf Sach- und Dienstleistungen), das Defizit zu drücken. Das hat 2025 rund 2,76 Millionen Euro eingespart. Doch Vorsicht: Da etwa 75 % der städtischen Ausgaben durch Gesetze oder Verträge fixiert sind, stößt dieses „Sparen mit dem Rasenmäher“ bald an seine funktionalen Grenzen.

2. Die Analyse: Warum „Sparen nach Kassenlage“ nicht reicht

Das Hauptproblem ist die mangelnde Tiefe der bisherigen Aufgabenkritik. Wir müssen aufhören, nur zu fragen: „Wie können wir eine Aufgabe billiger erledigen?“ Wir müssen fragen: „Müssen wir diese Aufgabe überhaupt noch wahrnehmen – und wenn ja, in welcher Qualität?“

Die interne Leistungsverrechnung (ILV) zeigt uns zwar theoretisch, was Prozesse kosten, wird aber bisher kaum als echtes Steuerungsinstrument genutzt. Wenn wir wissen, dass die Beschulung eines auswärtigen Schülers am JRG nach Vollkostenrechnung über 2.700 Euro kostet, müssen wir diese Transparenz nutzen, um Standards zu hinterfragen und Kostentreiber zu identifizieren.

3. Neue Wege: Drei Impulse für ein echtes Konsolidierungskonzept

Um Wedel bis 2028 wieder auf Kurs zu bringen, reichen Steuererhöhungen nicht aus. Wir brauchen mutige, neue Ansätze:

  • Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) „Plus“: Warum leistet sich jede Kommune im Kreis eigene Spezialisten für Vergaberecht, IT-Sicherheit oder Standesämter? Wedel sollte eine Vorreiterrolle einnehmen und gezielt Fachbereiche mit Nachbarkommunen oder dem Kreis Pinneberg verschmelzen. Das senkt nicht nur die Personalkosten, sondern löst auch das Problem des Fachkräftemangels.

  • Die Digitalisierungs-Rendite: Digitalisierung darf kein teures Hobby sein. Jedes neue IT-Projekt muss eine messbare „Rendite“ abwerfen – etwa indem Prozesse durch KI oder Automatisierung so beschleunigt werden, dass freiwerdende Stellen nicht nachbesetzt werden müssen.

  • Bürgerbeteiligung bei „Kann-Leistungen“: Kürzungen bei Sport, Kultur und Sozialem tun weh. Statt diese im Hinterzimmer zu beschließen, sollte die Stadt die Bürger einbinden: Wo können wir Prioritäten setzen? Wenn die Menschen verstehen, dass wir uns den „Gold-Standard“ nicht mehr leisten können, wächst die Akzeptanz für schmerzhafte, aber notwendige Streichungen bei freiwilligen Aufgaben.

4. Fazit: Transparenz schafft Vertrauen

Die Politik fordert zu Recht mehr Klarheit über die Kostenstrukturen. Ein monatliches „Konsolidierungs-Dashboard“, das den Fortschritt der 30 aktiven Projektgruppen zeigt, wäre ein wichtiger Schritt für das Vertrauen der Bürger.

Die Haushaltskonsolidierung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Marathon. Wir müssen Wedel abspecken, um die Stadt wieder beweglich zu machen. Das wird nicht ohne Konflikte abgehen, aber es ist der einzige Weg, um die Handlungsfähigkeit für kommende Generationen zu sichern.


Was denken Sie? Wo sollte die Stadt Wedel den Rotstift ansetzen und wo darf auf keinen Fall gespart werden? Diskutieren Sie mit!

Hintergrund: Fragen der Politik & Antworten der Verwaltung

Zur Vorbereitung des Haushalts 2026/27 hat die Politik detaillierte Fragen an die Fachbereiche gestellt. Hier sind die wichtigsten Punkte im Überblick:

Frage: Was bringt die Interne Leistungsverrechnung (ILV) für den Haushalt?
Antwort: Für die Wedeler Bürger hat sie keine direkten Auswirkungen auf den Gesamthaushalt. Sie ist jedoch entscheidend für die Abrechnung mit Dritten. Beispiel Johann-Rist-Gymnasium: Durch die ILV steigen die berechneten Kosten pro Gastschüler von ca. 878 € auf über 2.785 €. Ohne diese Verrechnung würde Wedel auf den Verwaltungskosten für auswärtige Schüler sitzen bleiben.

Frage: Wie entwickeln sich die Zinsen für unsere Kassenkredite (Dispo-Kredite)?
Antwort: Die Belastung steigt massiv. Waren es 2024 noch ca. 905.000 €, so liegen wir 2025 bereits bei über 1.029.000 €. Die Verwaltung hofft, dass dieser Betrag für 2026/27 ausreicht, was jedoch stark von der Zinsentwicklung und der Dauer der Inanspruchnahme abhängt.

Frage: Warum wird die Grundsteuer B auf exakt 630 % erhöht?
Antwort: Dies hat zwei Gründe: Zum einen müssen die Mindererträge durch die bundesweite Grundsteuerreform ausgeglichen werden. Zum anderen ist der Hebesatz notwendig, um den sogenannten „Nivellierungssatz“ des Landes zu erreichen, da Wedel sonst massive Nachteile beim kommunalen Finanzausgleich drohen (ca. 1,3 Mio. € Mehreinnahmen geplant).

Frage: Wie erfolgreich ist die „Globale Minderausgabe“ (20%-Sperre)?
Antwort: Im Jahr 2025 konnten dadurch ca. 2,76 Mio. € (8,4 % der relevanten Ansätze) eingespart werden. Die Verwaltung weist jedoch darauf hin, dass pauschale Kürzungen bei steigenden gesetzlichen Verpflichtungen zunehmend schwieriger umzusetzen sind.

Hinweis: Dies ist eine zusammenfassende Darstellung der offiziellen Antworten der Verwaltung auf die Anfragen der Fraktionen zum Haushalt 2026/27.

 

Haushaltskonsolidierung adé? Ein schwarzer Tag für Wedels Finanzen

Ein Meinungsbeitrag 

Die jüngste Ratssitzung hat eines schmerzlich klargemacht: Während wir über Rekorddefizite und Kassenkredite sprechen, fehlt in der Ratsversammlung weiterhin der politische Wille zur echten Disziplin. Wer glaubt, dass wir den Haushalt durch bloßes Zuwarten sanieren, wurde bitter enttäuscht.

Das Prinzip „Wünsch-dir-was“ geht weiter

Eklatant wurde dies bei TOP 5: Die Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) für Erzieher. Verstehen Sie mich nicht falsch: Fachkräftegewinnung ist wichtig. Aber die PiA-Stellen sind eine klassische Leistungserweiterung – ein freiwilliges „Add-on“. Die Verwaltung schlug vor, dies ohne jede Kompensation zu beschließen.

Das bedeutet im Klartext: Wir belasten einen Haushalt, der ohnehin nur noch durch Kredite atmet, mit weiteren 150.000 Euro. Jede nachträgliche Kompensation, die nun gesucht werden muss, fehlt an anderer Stelle zur Senkung unseres Defizits. Wir füllen ein neues Loch, indem wir ein bestehendes offenlassen.

Die Doppelmoral: Wenn „Prüfaufträge“ zur Ausrede werden

Besonders erschreckend war die Debatte um die Haushaltssicherung 2028. In der Projektliste (PG 17) ist die „Beendigung aller Add-On in den Wedeler Kitas“ klar als Ziel definiert. Als ich dies in der Sitzung zitierte, wurde es erst geleugnet und dann mit der Behauptung abgetan, die Haushaltssicherung sei ja lediglich ein „Prüfauftrag“.

Hier zeigt sich eine tiefe Doppelmoral:

  • Bei Belastungen für die Bürger (Grundsteuer): Hier wird der Status des Prüfauftrags (PG 30) gar nicht erst hinterfragt. Die Erhöhung auf 630 % wurde bereits beschlossen, um jährlich 1,3 Millionen Euro zusätzlich einzunehmen.
  • Bei Ausgabensenkungen (Kita-Add-ons): Sobald es um das Einsparen bei freiwilligen Leistungen geht, mutiert das Sparkonzept zum unverbindlichen Entwurf. Man nimmt den Bürgern Geld ab, ist aber nicht bereit, bei den eigenen Ausgaben konsequent zu sein.

Stadtteilzentrum „mittendrin“: Entscheidungen im Blindflug

Beim Projekt „mittendrin“ offenbarte sich ein weiteres Problem: Eine Verwaltung liefert unzureichende Daten, und eine politische Mehrheit findet sich bereitwillig damit ab. Eine statische Berechnung über 30 Jahre ist keine Entscheidungsgrundlage – es ist eine Wette auf die Zukunft.

Die ideologische Blockadehaltung gegenüber Partnerschaften mit der Privatwirtschaft (ÖPP) ist angesichts eines Schuldenbergs von 150 Millionen Euro brandgefährlich. Wer alternative Wege ablehnt, ohne sie überhaupt seriös geprüft zu haben, handelt verantwortungslos gegenüber der kommenden Generation.

Ein Hoffnungsschimmer: Mehr Transparenz beschlossen

Trotz der enttäuschenden Ergebnisse bei der Konsolidierung gab es einen wichtigen Erfolg: Unser Antrag zur Reform des Berichtswesens wurde einstimmig angenommen.

Bisher existiert in Wedel kein gesetzlich konformes Berichtswesen, wie der Landesrechnungshof bereits rügte. Dass wir nun bis September 2026 eine verbindliche Richtlinie nach dem Vorbild Elmshorns erhalten, ist ein Meilenstein. Nur mit verlässlichen Daten über Finanzen, Personal und den Zustand unserer Einrichtungen können wir in Zukunft sachgerechte Entscheidungen treffen. Es ist das Ende der Ausreden und der Beginn echter Steuerungsfähigkeit.

Fazit: Die Denkweise muss sich ändern

Ein professionelles Berichtswesen ist das Fundament, aber der politische Wille zum Sparen muss folgen. Den Bürgern über die Grundsteuer 1,3 Millionen Euro zusätzlich abzunehmen, aber gleichzeitig jede Einsparung bei freiwilligen Leistungen zu blockieren, bleibt politisch unredlich. Ein guter Tag für die Stadt war diese Sitzung nicht – aber mit dem neuen Berichtswesen haben wir zumindest das Werkzeug geschaffen, um den Blindflug bald zu beenden.

Zwischen Klimaschutz und Investitionshemmnis: Die Debatte um den Lidl-Neubau

Während die Pläne für den neuen Lidl-Markt an der Rissener Straße in weiten Teilen der Politik auf Zustimmung stoßen, sorgt eine aktuelle Stellungnahme der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen für Diskussionen. Es stellt sich die Frage, wie hoch die Hürden für private Investoren in Wedel hängen dürfen.

Die Forderungen der Grünen

Obwohl Lidl bereits zahlreiche ökologische Maßnahmen wie PV-Anlagen, Gründächer und E-Mobilität fest eingeplant hat, gehen diese der Grünen-Fraktion nicht weit genug. In ihrer Stellungnahme kritisieren sie den Abriss des erst 25 Jahre alten Gebäudes als nicht nachhaltig. Ihre Zustimmung knüpfen sie an „deutlich gesteigerte ökologische Standards“, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen.

Konkret gefordert werden unter anderem ein vollständig recycelbares Holzbausystem, ein modernes Regenwassermanagement mit Retentionsdächern und sogar der Erhalt von Teilen des Bestandsgebäudes.

Sorge vor Investorfeindlichkeit

Diese Maximalforderungen stoßen bei anderen Fraktionen auf Unverständnis. Es besteht die Sorge, dass solche Bedingungen abschreckend auf Investoren wirken könnten. Wenn die Anforderungen so hochgeschraubt werden, dass sich ein Projekt wirtschaftlich kaum noch trägt, riskiert die Stadt den Abzug wichtiger Versorger und Steuerzahler.

Lidl zeigt bereits eine große Bereitschaft, massiv in den Standort Wedel zu investieren und dabei moderne Klimaschutzziele zu verfolgen. Ein 25 Jahre alter Markt entspricht in seiner Struktur – etwa bei Gangbreiten, Energieeffizienz und Logistik – oft nicht mehr den heutigen Anforderungen des Handels und der Kunden. Ein Neubau ist daher eine logische Konsequenz für einen zukunftsfähigen Standort.

Fazit

Die politische Herausforderung wird darin bestehen, ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Realität in Einklang zu bringen. Werden Investoren durch immer neue, kostspielige Auflagen überfordert, könnte das am Ende zulasten der Stadtentwicklung und der wohnungsnahen Versorgung gehen. Wedel muss ein attraktiver Standort für Unternehmen bleiben, die bereit sind, in unsere Infrastruktur zu investieren.

Stadtteilzentrum „mittendrin“: Warum Wedel eine belastbare Entscheidungsgrundlage braucht

In der aktuellen Debatte um die Haushaltskonsolidierung in Wedel steht ein zentrales Objekt im Fokus: das Gebäude des Stadtteilzentrums „mittendrin“. Als Kommunalpolitiker und finanzpolitischer Sprecher ist es mir wichtig, dass wir bei der Beschlussvorlage BV/2025/088 nicht nur kurzfristige Effekte sehen, sondern eine Entscheidung treffen, die auch in 30 Jahren noch Substanz hat.

Die drei Säulen fundierter Kommunalpolitik in Wedel

Um in der Wedeler Stadtvertretung verantwortungsvolle Beschlüsse zu fassen, stützen wir uns idealerweise auf ein stabiles Gerüst aus drei Säulen:

  • Fakten der Verwaltung: Die primäre und wichtigste Quelle für objektive Daten.
  • Persönliche Expertise: Wertvolles Wissen aus dem beruflichen oder privaten Alltag.
  • Eigene Recherche: Der notwendige Blick über den Tellerrand und auf vergleichbare Sachverhalte in Schleswig-Holstein.

Ein bloßes „Bauchgefühl“ darf niemals die Hauptquelle für Entscheidungen sein, die das Vermögen unserer Stadt und die Steuergelder der Bürger betreffen. Persönliche Erfahrung ist eine wertvolle Ergänzung, sie kann und darf jedoch niemals fehlende Sachinformationen der Verwaltung ersetzen.

Kritik an der Wirtschaftlichkeitsberechnung: Excel vs. Realität

Die aktuelle Empfehlung, das Gebäude im städtischen Eigentum zu behalten, basiert auf einer Vergleichsrechnung in Form einer Excel-Tabelle. Diese nutzt eine statische Betrachtungsweise, die für ein Gebäude aus den 1950er Jahren jedoch zu kurz greift:

  • Pauschale Sätze: Eine fixe Instandhaltungsrate von 1,2 % bildet den realen Sanierungsbedarf (z. B. veraltete Elektrik oder Rohrleitungen) oft nur unzureichend ab.
  • Fehlende Dynamik: Zukünftige Preissteigerungen im Baugewerbe oder sich verschärfende energetische Standards werden in einem statischen Modell nicht ausreichend berücksichtigt.

Der bessere Weg: Dynamische Lebenszykluskosten

Statt einer einfachen Gegenüberstellung von Miete und Instandhaltung benötigen wir eine dynamische Lebenszykluskosten-Analyse (LCC). Hierbei werden alle Zahlungsströme – von der notwendigen Sanierung über den laufenden Betrieb bis hin zum künftigen Grundstückswert – auf den heutigen Zeitpunkt berechnet und vergleichbar gemacht.

Um solche komplexen Berechnungen auf ein fachlich sicheres Fundament zu stellen, bietet beispielsweise die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) spezielle Rechner für kommunale Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen an. Diese Tools sind darauf ausgelegt, genau diese langfristigen Risiken und Szenarien methodisch sauber abzubilden.

Fazit für Wedel: Transparenz schafft Vertrauen

Es geht bei der Diskussion um das „mittendrin“ nicht um politische Profilierung, sondern um die Qualität unserer Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger. Wir können uns in der aktuellen Finanzlage keine Fehlentscheidungen erlauben. Wir benötigen eine neutrale, methodisch saubere Analyse der Verwaltung, die über den Moment hinaus Bestand hat.

Nur so stellen wir sicher, dass wir heute keine Lasten für künftige Wedeler Generationen schaffen, sondern die soziale Infrastruktur unserer Stadt nachhaltig sichern.


📂 Transparenz-Ecke: Unterlagen zum Nachlesen

Für alle, die sich selbst ein Bild der Zahlen machen möchten, stehen hier die offiziellen Dokumente zur Verfügung:

Grundsteuer B: Wieder mehr Geld – ohne die Ursachen zu lösen

Der Rat der Stadt Wedel hat die Erhöhung der Hebesatzsatzung und damit der Grundsteuer B beschlossen. Ich halte diese Entscheidung für falsch – nicht, weil ich die schwierige Haushaltslage leugne, sondern weil sie erneut am Kern des Problems vorbeigeht.

Wir hatten im Haupt- und Finanzausschuss einen Antrag gestellt, der diese Steuererhöhung verhindern sollte. Der Ausschuss entschied sich mehrheitlich anders. Da absehbar war, dass auch der Rat dieser Linie folgen würde, haben wir den Antrag nicht erneut eingebracht. Dennoch bleibt eine zentrale Frage, die ausgesprochen werden muss:

Weiß der Rat, was er hier eigentlich tut?

Es ist keine vier Jahre her, dass der Rat der Stadt Wedel bereits eine deutliche Erhöhung der Grundsteuer beschlossen hat. Damals sollten rund 1,7 Millionen Euro zusätzlich von den Bürgerinnen und Bürgern eingenommen werden. Dieses Geld ist nicht sichtbar zur Stabilisierung der Finanzen beigetragen – es ist in einem strukturellen Defizit untergegangen.

Was ist seitdem passiert? Aus unserer Sicht zu wenig. Es wurde nicht in dem Umfang konsolidiert, wie es die finanzielle Lage der Stadt eigentlich verlangt hätte. Heute stehen wir erneut an exakt demselben Punkt: Wieder wird über mehr als eine Million Euro zusätzlich von den Bürgerinnen und Bürgern eingefordert – und wieder wird dieses Geld keinen nachhaltigen Effekt haben, sondern im Defizit verschwinden.

Besonders problematisch ist der zeitliche Zusammenhang: Im Januar erhalten die Bürgerinnen und Bürger ihre neuen Grundsteuerbescheide. Gleichzeitig diskutieren und beschließen wir im Rat weitere Einsparungen, Kürzungen und Einschränkungen. Das bedeutet faktisch eine doppelte Belastung: höhere Steuern auf der einen Seite, geringere Leistungen auf der anderen.

Genau deshalb vertreten wir eine klare Haltung:
Erst konsolidieren, dann über Steuererhöhungen reden – nicht umgekehrt.

Hinzu kommt eine grundsätzliche Frage, die bisher unbeantwortet bleibt: Wo soll das enden? Wenn Konsolidierungsmaßnahmen immer wieder aufgeweicht, verschoben oder zurückgenommen werden – so wie wir es in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt haben –, dann stehen wir spätestens Ende 2027 erneut hier. Mit demselben Defizit. Und mit demselben Ruf nach der nächsten Steuererhöhung.

Bei welchem Hebesatz ist dann Schluss?
Bei 700 Prozent? 800 Prozent? Oder wird der Wert von 1.096 Prozent, den die Verwaltung einst ausdrücklich als Warnung genannt hat, schleichend zum politischen Ziel?

Diese Entwicklung halten wir für gefährlich – finanziell wie politisch. Steuererhöhungen dürfen nicht zum Ersatz für konsequente Haushaltsdisziplin werden. Sie lösen keine strukturellen Probleme, sie überdecken sie.

Aus diesen Gründen lehnen wir als CDU die Erhöhung der Grundsteuer B entschieden ab und haben im Rat dagegen gestimmt. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt.

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Ein „Weiter so“ können wir uns nicht mehr leisten

Der Haushalt 2026/27 ist kein Routinebeschluss, sondern ein Warnsignal. Wer jetzt noch so tut, als hätten wir Zeit, verdrängt bewusst die Realität.

Kernbotschaften

  • Die Defizite sind strukturell – nicht vorübergehend.
  • Das Eigenkapital wird in wenigen Jahren aufgezehrt sein.
  • Die Verschuldung steuert auf rund 150 Mio. € zu.
  • Ohne harte Prioritäten bleiben wir im Krisenmodus.
  • Ein „Weiter so“ ist politisch verantwortungslos.

Der Haushalt ist ein Alarmzeichen, kein Verwaltungsakt

Auf dem Papier sieht ein Doppelhaushalt oft technisch aus: Tabellen, Zahlen, Steigerungsraten und Planjahre. Aber beim Haushalt 2026/27 täuscht dieser Eindruck. Wer genauer hinschaut, erkennt: Das ist kein normales Planwerk, sondern ein deutliches Alarmzeichen.

Wir machen 2026 ein Defizit von fast 13 Mio. € und 2027 noch einmal knapp 8 Mio. €. Unser Eigenkapital wird in den kommenden Jahren aufgefressen, während die Schulden weiter wachsen. Das ist kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis eines Systems, das über seine Verhältnisse lebt.

Wir haben uns an die Schieflage gewöhnt

Seit Jahren diskutieren wir Defizite, Konsolidierungslisten und Sparrunden. Gleichzeitig ist eine gefährliche Gewöhnung eingetreten. Haushaltslöcher im einstelligen oder zweistelligen Millionenbereich werden wie Naturereignisse behandelt, die eben „irgendwie“ kommen.

Tatsächlich ist es aber einfach: Unsere Ausgaben wachsen auf Dauer schneller als unsere Einnahmen. Pflichtaufgaben wie Kitas, Schulen, soziale Leistungen und Gebäudeunterhaltung treiben den Haushalt nach oben. Die Steuern – besonders die Gewerbesteuer und der Anteil an der Einkommensteuer – können da nicht Schritt halten.

Sparen allein reicht nicht – aber Nichtstun schon gar nicht

Die eingeleiteten Konsolidierungsmaßnahmen wirken. Ohne die beschlossenen Einschnitte wären die Haushaltsdefizite noch deutlich höher. Das zeigt, dass es nicht egal ist, ob und wo wir sparen. Aber es zeigt auch: Die bisherigen Schritte reichen nicht aus.

Wer daraus die Schlussfolgerung zieht, Sparen sei wirkungslos, macht es sich zu leicht. Die Wahrheit ist unbequemer: Wir müssen gleichzeitig Ausgaben strukturell reduzieren, Einnahmen realistisch planen und uns von liebgewonnenen, aber dauerhaft nicht finanzierbaren Projekten trennen. Halbherzige Symbolpolitik wird uns aus dieser Lage nicht herausführen.

Politische Ehrlichkeit statt Wunschlisten

In einer Situation, in der unser Eigenkapital aufgebraucht wird, der Kassenkreditrahmen auf 85 Mio. € steigt und neue Kredite die Pro-Kopf-Verschuldung auf mehr als 4.000 € treiben, können wir nicht so tun, als wäre alles eine Frage der „richtigen Prioritätensetzung“ ohne Verzicht.

Ehrlichkeit bedeutet: Wir werden nicht alles, was wir gerne hätten, weiterfinanzieren können. Wir werden Standards überprüfen müssen. Wir werden Projekte schieben oder streichen müssen. Und wir werden erklären müssen, warum wir das tun – nicht, weil es Spaß macht, sondern weil die Alternative der schleichende Kontrollverlust ist.

Keine Zeit mehr für Aufschub

Die Zahlen des Haushaltsentwurfs sind kein abstraktes Rechenwerk. Sie beschreiben die Grenze unserer Handlungsfähigkeit. Je länger wir warten, desto enger wird es – für freiwillige Leistungen, für Gestaltungsspielräume, aber auch für die Erfüllung unserer Pflichtaufgaben.

Wenn wir jetzt nicht bereit sind, harte Entscheidungen zu treffen, entscheiden später andere für uns: die Kommunalaufsicht, die Gerichte, oder schlicht der Kassenstand. Dann wird nicht mehr politisch gestaltet, sondern nur noch verwaltet, was sich gerade noch finanzieren lässt.

Verantwortung übernehmen statt auf bessere Zeiten hoffen

Der Haushalt 2026/27 ist ein Wendepunkt. Er zwingt uns, die Realität anzuerkennen: Ein „Weiter so“ ist keine Option mehr. Wer trotzdem so tut, als könnten wir einfach weitermachen wie bisher, nimmt bewusst in Kauf, dass Wedel seine finanzielle Handlungsfähigkeit verliert.

Verantwortung heißt jetzt, offen und transparent zu sagen, was möglich ist – und was nicht mehr. Alles andere wäre Augenwischerei gegenüber den Menschen in dieser Stadt.

Brainstorming: Wie weiter mit der P+R-Anlage am Bahnhof Wedel?

Die P+R-Anlage am Wedeler Bahnhof steht sinnbildlich für ein Problem, das viele Kommunen kennen: Ein Bauwerk, das ursprünglich als moderne Verkehrslösung gedacht war, ist in die Jahre gekommen, technisch überholt und finanziell zu einer Dauerbelastung geworden. Spätestens seit dem Brand im Juli 2025 ist klar: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Doch welche Optionen bleiben, wenn gleichzeitig der städtische Haushalt auf Sanierungskurs ist?

 

1. Ausgangslage: Ein Bauwerk mit Geschichte und Problemen

Die Anlage wurde Mitte der 1980er-Jahre gebaut. Sie ist kein vollständig unterirdisches Parkhaus, sondern ein halbunterirdisches Bauwerk, das an der Nord- und Ostseite offen ist. Das Gelände fällt in Richtung Auweidenweg ab. Mittlerweile drückt das Grundwasser dauerhaft. Über Fugen und Risse dringt Feuchtigkeit ein, die Entwässerung läuft nur durch permanente Pumpen. Bereits 2016 musste aufwendig eine Drainage gebaut werden, um das Wasser abzuleiten.

Die Unterhaltungskosten sind entsprechend hoch. In den Unterlagen der Stadt wird von bis zu 200.000 Euro jährlich gesprochen – für Strom, Wartung, Reinigung, Drainagebetrieb und kleinere Instandsetzungen. Hinzu kommen Untersuchungen, Gutachten und Sanierungsmaßnahmen. Eine Bauwerksprüfung ergab die Gesamtnote 2,7 – also ein nur befriedigender Zustand. Der Brand im Sommer 2025 hat die Situation verschärft: Ruß, Hitze und Löschwasser haben die Statik beeinträchtigt, die Anlage ist seitdem gesperrt. Bevor überhaupt über eine Wiedereröffnung gesprochen werden kann, müssen Reinigung, Tragwerksbewertung und ein Instandsetzungsgutachten erfolgen. Die Versicherung prüft noch, welche Schäden übernommen werden.

2. Finanzielle Rahmenbedingungen: Konsolidierung als Leitplanke

Die Stadt Wedel steht unter massivem finanziellen Druck. Der Haushaltskonsolidierungspfad bis 2028 verlangt Einsparungen in fast allen Bereichen. Gleichzeitig stehen weitere Großprojekte an – etwa die Sanierung der Moorwegschule, Badebucht oder Feuerwache. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Ist es vertretbar, in ein Bauwerk zu investieren, das seit Jahren hohe Folgekosten verursacht und für Pendler zwar wichtig, aber nicht zwingend in dieser Form notwendig ist?

3. Denkbare Richtungen

a) Aufgabe des Unterdecks

Eine Variante, die in den Vorlagen bereits erwähnt wird, ist die vollständige Aufgabe des Unterdecks. Die Zahl liegt bei rund 500.000 Euro einmalig. Damit würde die Stadt das Bauwerk verfüllen, die Drainage stilllegen und die ständigen Wartungskosten beenden. Übrig bliebe eine ebene Fläche, die oberirdisch als Parkplatz genutzt werden kann. Der finanzielle Vorteil liegt in der Entlastung künftiger Haushalte – keine Pumpen, keine Feuchtigkeit, keine jährlichen Prüfungen. Der Nachteil: Es gehen Stellplätze verloren, und das Erscheinungsbild am Bahnhof müsste neu gestaltet werden.

b) Teilnutzung und Übergangslösung

Eine zweite Idee wäre, nur das obere Parkdeck wieder in Betrieb zu nehmen und das Unterdeck dauerhaft zu sperren. So könnten zumindest einige Stellplätze erhalten bleiben, bis eine langfristige Lösung gefunden ist. Der Aufwand wäre geringer als bei einer Vollsanierung, aber die Grundprobleme – Feuchtigkeit, Drainage, laufende Wartung – blieben bestehen. Eine Förderung wäre für eine solche Teillösung unwahrscheinlich.

c) Komplette Sanierung oder Neubau

Die aufwendigste, aber auch ambitionierteste Variante wäre eine grundlegende Sanierung oder ein Neubau. Die Verwaltung arbeitet derzeit an Varianten und Kostenschätzungen, die in einer späteren Beschlussvorlage vorgelegt werden sollen. Förderprogramme könnten eventuell die Kosten teilweise abfedern. Doch selbst bei hoher Förderung bliebe ein Eigenanteil, der angesichts der Haushaltslage schwer zu stemmen wäre. Technisch wäre ein Neubau die nachhaltigste Lösung – aber nur, wenn er nicht zur neuen Dauerlast wird.

4. Ergänzende Idee: Öffentlich-private Partnerschaft (PPP)

Ein weiterer Denkansatz könnte in einer öffentlich-privaten Partnerschaft liegen. Der Gedanke: Die Stadt stellt die Fläche und sorgt für die öffentliche Erschließung – also z. B. das Parken für Pendler, Radverkehr und Busanbindung – während ein privater Partner die darüberliegenden Ebenen entwickelt und finanziert. Denkbar wäre eine Kombination aus unterirdischem öffentlichen Parken, einem kleinen Busbahnhof und einer darüberliegenden Wohn- oder Mischbebauung.

Es würde allerdings zusätzlich zu den rechtlichen Hürden einer PPP, erhebliche planerische und rechtliche Anforderungen mit sich bringen: Eigentumsfragen, Förderrecht, Baugrundrisiken und die Einbindung in den bestehenden Bahnhofsvorplatz. Wichtig wäre, dass ein solches Projekt städtebaulich sauber integriert wird und nicht zu einem Fremdkörper im historischen Zentrum wird.

In anderen Städten gibt es bereits vergleichbare Konzepte, bei denen Parken, Wohnen und Nahverkehr in einem Gebäude kombiniert wurden. Für Wedel könnte das – wenn die Grundstücksverhältnisse und die Topographie es erlauben – ein langfristiger Ansatz sein. Voraussetzung wäre ein belastbares Investoreninteresse, klare vertragliche Regelungen und politische Bereitschaft, Verantwortung zu teilen.

5. Fazit dieses Brainstormings

Die Wedeler P+R-Anlage ist ein Symbol dafür, wie technische, finanzielle und planerische Fragen ineinandergreifen. Jahrzehntelang wurde instandgesetzt, geflickt und nachgebessert. Jetzt, nach dem Brand, besteht die Chance, grundsätzlich neu zu denken: Braucht Wedel hier wirklich wieder dasselbe Bauwerk – oder ist die Zeit reif für einen Neustart?

Ob dieser Neustart als einfacher Rückbau, als Teilnutzung, als geförderter Neubau oder als öffentlich-private Partnerschaft erfolgt, hängt von mehreren Faktoren ab: von der Höhe möglicher Förderungen, vom politischen Willen zur Priorisierung und von der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Eines ist sicher: Eine Lösung, die dauerhaft hohe Folgekosten produziert, wird im Konsolidierungshaushalt kaum Bestand haben.

Mehr zum Thema

Wer sich näher mit öffentlich-privaten Partnerschaften und deren Chancen für kommunale Haushalte beschäftigen möchte, findet hier vertiefende Informationen:


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Brainstorming: Wie weiter mit der P+R-Anlage am Bahnhof Wedel?

Meine Meinung: Warum Wedel Marketing die Innenstadtentwicklung übernehmen soll

Seit Jahren diskutieren wir in Wedel über die Entwicklung unserer Innenstadt – genau genommen seit 2011. Immer wieder wurden Konzepte angekündigt, erarbeitet, wieder verworfen oder in Schubladen gelegt. Passiert ist: nichts. Seit gut zwei Jahren gibt es sogar eine Citymanager-Stelle im Stellenplan – allerdings mit Sperrvermerk, weil die inhaltliche Grundlage fehlte.

Diese Grundlage haben wir inzwischen: Das Innenstadtentwicklungskonzept wurde im Frühjahr beschlossen. Es analysiert die Schwächen unserer Innenstadt, benennt Herausforderungen und zeigt konkrete Handlungsmöglichkeiten. Endlich liegt ein Kompass vor, der uns sagt, wohin die Reise gehen kann.

Die drei Varianten zur Umsetzung

Variante 1: Citymanager-Stelle in der Verwaltung

Variante 2: Erhöhung des Zuschusses an Wedel Marketing, befristet auf drei Jahre

Variante 3: Erhöhung des Beitrags an Wedel Marketing mit Leistungsvereinbarung und zusätzlicher Umsatzsteuerlast

Warum nicht Variante 1?

  • Mangelnde Innovationskraft und Dynamik: Verwaltungseinheiten sind stärker an formale Prozesse gebunden und weniger flexibel in der Anpassung an schnell wechselnde Bedürfnisse wie Pop-up-Aktionen oder Events.
  • Begrenzte Einbindung: Ein Verein wie Wedel Marketing vernetzt Gewerbetreibende, Immobilienbesitzer und Ehrenamtliche besser – diese Stimmen fehlen in einer rein verwaltungsgesteuerten Struktur.
  • Risiko der Überbürokratisierung: Längere Entscheidungswege können Umsetzung und Motivation bremsen.
  • Weniger Transparenz und direkte Kommunikation: Ein Verein mit Geschäftsstelle ist näher an Bürgern, Unternehmern und Kunden als eine Behörde.
  • Fehlende externe Finanzierungsmöglichkeiten: Sponsoring und Kooperationen sind für einen Verein leichter zu akquirieren.
  • Kein Branding und weniger Identifikation: Wedel Marketing kann über eine eigene Marke wie „Moin Wedel“ stärker Identität stiften als eine anonyme Verwaltungsstelle.

Warum nicht Variante 3?

Eine Leistungsvereinbarung klingt auf den ersten Blick attraktiv, bringt aber den Nachteil, dass Umsatzsteuer fällig wird. Das macht die Variante für den städtischen Haushalt teurer, ohne dass es inhaltlich wirkliche Vorteile gäbe.

Warum ich für Variante 2 gestimmt habe

  • Kosteneffizienz: Variante 2 ist die günstigste Lösung für die Stadt.
  • Flexibilität: Wedel Marketing kann schnell und pragmatisch handeln, ohne in Verwaltungsstrukturen zu verharren.
  • Sponsoring und Ehrenamt: Bereits jetzt liegen Zusagen von Sponsoren vor – aber nur unter der Voraussetzung, dass Wedel Marketing gestärkt wird. Auch das ehrenamtliche Engagement hängt daran, dass es eine sichtbare Geschäftsstelle und eine zentrale Plattform wie „Moin Wedel“ gibt.
  • Schnelle Umsetzung: Mit Variante 2 kann schon 2026 ein sichtbares Leuchtturmprojekt starten – der Pop-up-Store in der Bahnhofstraße.

Stadtmarketing-Vereine: ein bundesweiter Trend

Wedel ist mit diesem Weg nicht allein. Viele Städte setzen seit Jahren erfolgreich auf Stadtmarketing-Vereine oder City-Initiativen, die eng mit den Kommunen zusammenarbeiten:

  • Freiburg: Stadtinitiative „Gemeinsam Freiburg e.V.“ mit 150.000 Euro Förderung jährlich.
  • Karlsruhe: City Initiative Karlsruhe e.V. mit über 6.000 Unternehmen und erfolgreichen Projekten wie Influencer-Kampagnen und Leerstandsmanagement.
  • Hamburg: City Management Hamburg vertritt seit über 20 Jahren 850 Unternehmen im Stadtzentrum.
  • Dortmund: Cityring e.V. betreibt mit der Stadt ein gemeinsames Citymanagement.
  • Lübeck: Mit Projekten wie „Übergangsweise“ werden Leerstände kreativ für Pop-up-Konzepte genutzt.

Diese Beispiele zeigen: Kooperationen zwischen Stadt und Stadtmarketing-Vereinen sind ein bewährtes Erfolgsmodell. Sie verbinden die Stabilität kommunaler Förderung mit der Dynamik privater Netzwerke.

Einordnung zur Aussage von Prof. Dr. I. Wistuba

Die Aussage von Prof. Dr. I. Wistuba, dass Unternehmen und Kommunen möglichst eigenverantwortlich handeln sollten, greift für modernes Stadtmarketing zu kurz.

  • Komplexität: Innenstadtentwicklung braucht spezielles Know-how, das Verwaltungen allein oft nicht leisten können.
  • Ressourcenknappheit: Verwaltungen sind personell stark gebunden, Vereine können flexibler handeln.
  • Synergien: Vereine bündeln Akteure aus Wirtschaft, Handel, Tourismus und Ehrenamt.
  • Unabhängigkeit: Vereine können neutraler agieren und innovative Projekte anstoßen.
  • Praxis: Viele Kommunen zeigen, dass externe Stadtmarketing-Vereine die Attraktivität der Innenstädte erhöhen.

Fazit: Verwaltung und Politik bleiben wichtig für die strategische Steuerung. Für die operative Umsetzung sind jedoch externe Vereine oft die bessere Wahl. Genau deshalb ist die Entscheidung, das Citymanagement bei Wedel Marketing e.V. anzusiedeln, richtig.

Mein Fazit

Wir diskutieren über die Innenstadtentwicklung nicht erst seit drei Monaten, sondern seit 14 Jahren. Es ist höchste Zeit, endlich zu handeln. Variante 2 bietet die besten Chancen, das Innenstadtentwicklungskonzept schnell, kostengünstig und mit Beteiligung vieler Akteure umzusetzen – und es ist ein Weg, den zahlreiche Städte in Deutschland längst erfolgreich gehen.

Darum habe ich in der Ratssitzung für Variante 2 gestimmt.

Wohnungsbau in Schleswig-Holstein: Wenn Realität und Zielsetzung auseinanderdriften

In Schleswig-Holstein fehlt es an Wohnraum – bezahlbar, verfügbar, klimafreundlich soll er sein. Doch die Realität sieht anders aus: Die Zahl der Baugenehmigungen bricht ein, Investoren ziehen sich zurück, Eigentümer stehen vor einem gewaltigen Sanierungsbedarf, und viele Kommunen erhöhen ihre Grundsteuerhebesätze. In der Folge steigen Mieten, verschärft sich die soziale Schieflage, und politische Ziele geraten ins Wanken. Dieser Artikel beleuchtet Ursachen, aktuelle Entwicklungen und strukturelle Hindernisse – und fragt, was sich ändern muss.

Faktencheck Wohnungsbau SH

  • -42 %: Rückgang der Baugenehmigungen seit 2021
  • 57 %: der Wohnungen im Kreis Pinneberg sind sanierungsbedürftig
  • 32 %: Sozialwohnungen im Kreis verlieren bis 2029 ihre Bindung
  • 400 Mio. €: Fördermittel pro Jahr – reichen für nur 1.900 WE
  • 80 %: der Kommunen haben 2025 die Grundsteuer B erhöht

Einbruch beim Neubau: Zahlen, die alarmieren

2024 wurden in Schleswig-Holstein nur rund 9.600 Neubauwohnungen genehmigt – ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2021 beträgt das Minus sogar 42 Prozent. Gleichzeitig sank auch die Zahl der tatsächlich fertiggestellten Wohnungen: Mit rund 11.000 neuen Einheiten wurde der Wohnraumbedarf erneut deutlich verfehlt. Der Mieterbund geht davon aus, dass jährlich rund 15.000 Mietwohnungen gebaut werden müssten, um der Nachfrage gerecht zu werden. Die Lücke wächst – Jahr für Jahr.

Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig und strukturell:

  • Die Finanzierungskosten für Neubauten sind durch das gestiegene Zinsniveau drastisch gestiegen. Viele Projekte, die vor zwei Jahren noch wirtschaftlich darstellbar gewesen wären, sind heute faktisch nicht mehr finanzierbar.
  • Die Baukosten sind in nahezu allen Bereichen gestiegen: Baumaterialien, Handwerksleistungen, Planung, Genehmigungen – alles ist teurer geworden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Energieeffizienz und Klimaschutz.
  • Komplexe Genehmigungsprozesse, überlange Planungsverfahren, wechselnde politische Mehrheiten und zusätzliche Auflagen bremsen viele Projekte aus. Ein Beispiel: In Niendorf vergingen vom Grundstückskauf bis zum Baustart elf Jahre.

Insgesamt ergibt sich daraus ein Bild, das in der Branche oft als toxisch beschrieben wird: hohe Kosten, unklare Perspektiven, keine Planungssicherheit – für Investoren, Bauträger und Kommunen gleichermaßen. Das Ergebnis: Neubauten finden fast nur noch dort statt, wo Projekte schon seit Jahren vorbereitet sind. Neue Vorhaben hingegen werden kaum noch angestoßen.

Förderung, Netzwerke, gute Absichten – aber wenig Wirkung

Die Landesregierung hat 2025 das „Netzwerk Planen, Bauen, Wohnen“ gegründet. Ziel: gemeinsam mit Wohnungswirtschaft, Sozialverbänden, Kommunen, Baugewerbe und Energieträgern Lösungen für den Wohnraummangel entwickeln. 24 Organisationen sitzen mit am Tisch, darunter auch kritische Stimmen wie der Mieterbund oder der Verband „Haus & Grund“.

Ein ambitioniertes Ziel dieses Bündnisses ist es, die Wohnraumschaffung mit der angestrebten Klimaneutralität bis 2040 zu vereinbaren – also fünf Jahre früher als auf Bundesebene. Das sorgt für Reibung: Vertreter der Wohnungswirtschaft kritisieren, dass zusätzliche Auflagen für Heizung, Dämmung und erneuerbare Energie den Bau verteuern – und damit letztlich auch die Mieten.

Die Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack hält dagegen: Die Klimaziele seien nicht verhandelbar. Gleichzeitig stellt sie in Aussicht, dass Eigentümer, die jüngst noch in fossile Heizsysteme investiert haben, nicht allein gelassen werden sollen. Doch wie genau Förderprogramme, Übergangsfristen und Ausnahmen aussehen, ist noch unklar.

Tatsache ist: Selbst die Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau – jährlich 400 Millionen Euro – reichen unter den heutigen Bedingungen kaum mehr aus. Aufgrund der Baukostensteigerungen können von diesem Betrag nicht mehr 4.000, sondern nur noch rund 1.900 geförderte Wohneinheiten finanziert werden. Auch deshalb setzt das Land inzwischen auf „Regelstandard E“: ein vereinfachtes, kostengünstigeres Baukonzept mit reduziertem technischen Anspruch.

Energetische Sanierung im Bestand: ein unterschätzter Kraftakt

Neben dem Neubau gerät zunehmend auch der Wohnungsbestand in den Fokus. Eine Analyse des Pestel-Instituts zeigt: Im Kreis Pinneberg sind 57 Prozent aller Wohnungen älter als 45 Jahre – mit entsprechend hohem Sanierungsbedarf. Veraltete Heizsysteme, fehlende Dämmung, marode Fenster: Um den Gebäudebestand bis 2045 klimaneutral zu machen, wären jährlich über 500 Millionen Euro Investitionen nötig – allein in einem einzigen Kreis.

Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel warnt vor einem „Mammutprojekt“ und fordert, energetische Sanierungen deutlich besser zu fördern. Andernfalls würden viele Eigentümer – vor allem private Kleinvermieter – die Maßnahmen nicht stemmen können. Auch Mieter wären betroffen: Entweder durch ausbleibende Modernisierung oder durch stark steigende Mieten nach Sanierung.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass immer mehr Sozialwohnungen aus der Preisbindung fallen. Im Kreis Pinneberg betrifft das bis 2029 rund 32 Prozent aller aktuell geförderten Wohnungen – in Elmshorn sogar 45 Prozent. Damit entfällt ein wichtiger Schutzmechanismus für niedrige Mieten.

Grundsteuerreform: Belastung für Eigentümer, Risiko für Mieter

Die Reform der Grundsteuer entfaltet 2025 erstmals spürbare Wirkung – auch in Schleswig-Holstein. In rund 80 Prozent der Kommunen wurde der Hebesatz für die Grundsteuer B (also für Wohngrundstücke) erhöht. Auch wenn das Land betont, dass es sich dabei nicht um eine verdeckte Steuererhöhung handelt, steigen für viele Eigentümer die jährlichen Kosten.

Hintergrund: Durch das neue Berechnungsmodell wird gewerbliches Eigentum geringer belastet. Um das Gesamtaufkommen stabil zu halten, mussten viele Kommunen den Hebesatz bei Wohnimmobilien anpassen. Eigentümerverbände wie „Haus & Grund“ kritisieren diese Umverteilung – mit dem Hinweis, dass die Kosten am Ende häufig auf die Miete umgelegt werden.

Wachsende soziale Spannungen

Die Folge all dieser Entwicklungen: Der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt – besonders für Menschen mit geringem Einkommen oder in prekären Lebenssituationen. Im Kreis Pinneberg stieg die Zahl wohnungsloser Menschen Anfang 2024 auf über 3.600 – Tendenz steigend. Auch Wohngruppen, Frauenhäuser und soziale Träger melden zunehmend, dass Klienten keine geeigneten Anschlusswohnungen finden.

Kommentar: Die Politik muss sich ehrlich machen – auch in Wedel

Die Lage ist komplex, aber die Richtung ist klar: Wenn sich nichts Grundlegendes ändert, wird bezahlbares Wohnen in Schleswig-Holstein zum Luxusgut. Fördermittel allein werden das Problem nicht lösen – wenn sie nicht mit Planungsvereinfachungen, klaren Prioritäten und besserer Steuerung kombiniert werden. Viele Kommunen blockieren sich selbst – durch widersprüchliche Beschlüsse, zusätzliche Abgaben und fehlende Entscheidungen.

Ein „Bauturbo“ lässt sich nicht verordnen, solange Bauherren nicht wissen, ob und wann ein Projekt realisiert werden kann. Und eine sozial gerechte Klimapolitik funktioniert nur dann, wenn energetische Anforderungen nicht zum Ausschlusskriterium für Mieter und Eigentümer werden.

Auch in Wedel spüren wir diese Entwicklungen konkret:

  • Die Zahl neuer Bauprojekte stagniert, auch weil sich Investoren angesichts der unsicheren Rahmenbedingungen zunehmend zurückziehen.
  • Die Infrastrukturfolgekostenabgabe verteuert neue Wohnungen zusätzlich – eine sachlich nachvollziehbare, aber in der aktuellen Marktlage schwer vermittelbare Maßnahme.
  • Energetische Sanierungen im Bestand scheitern oft an den finanziellen Möglichkeiten der Eigentümer, besonders bei älteren Mehrfamilienhäusern.
  • Gleichzeitig wächst der soziale Druck: Wer in Wedel günstigen Wohnraum sucht, stößt auf kaum verfügbare Alternativen.

Wedel wird Teil der Lösung sein müssen – aber das geht nur mit einem realistischen Blick auf die tatsächlichen Herausforderungen: Weniger Symbolpolitik, mehr Klarheit, Verlässlichkeit und Mut zu pragmatischen Entscheidungen. Was wir brauchen, sind machbare, finanzierbare und lokal abgestimmte Lösungen – mit Fokus auf Tempo, Nutzung von Flächenpotenzialen, Entbürokratisierung und echte Priorisierung des Wohnens.

Quellen & Hintergründe

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