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Haltung bewahren, wenn der Wind sich dreht: Meine Gedanken zum Wedeler Haushalt 2026/27

Veröffentlicht am  von Jan Lüchau

Die vergangenen Wochen waren für die Wedeler Kommunalpolitik – und für mich ganz persönlich – äußerst intensiv. Wer die Berichterstattung rund um die Verabschiedung des Doppelhaushalts 2026/27 verfolgt hat, weiß, dass in unserer Stadt und auch innerhalb meiner eigenen Fraktion intensiv um den richtigen Weg gerungen wurde. Es ist an der Zeit, die Ereignisse einzuordnen und meine Sicht der Dinge mit Ihnen und Euch zu teilen.

Die Ausgangslage: Eine Stadt am finanziellen Abgrund

Wir stehen in Wedel vor einer enormen Herausforderung. Ein Defizit im zweistelligen Millionenbereich und eine Pro-Kopf-Verschuldung, die zu den höchsten im Norden zählt, lassen keinen Raum mehr für politisches Wunschdenken. Aus dieser tiefen Überzeugung heraus habe ich mich als finanzpolitischer Sprecher in den vergangenen Monaten für einen klaren und unmissverständlichen Konsolidierungskurs eingesetzt.

Mein Ansatz war konsequent: Wir müssen uns auf ein Niveau sparen, das wir uns als Stadt auch tatsächlich leisten können. Dazu gehörten für mich spürbare Einschnitte, wie etwa eine deutliche Reduzierung der Personalkosten in der Verwaltung sowie ein verbindlicher und realistischer Kostendeckungsgrad bei unseren freiwilligen Leistungen und öffentlichen Einrichtungen. Wenn das Geld fehlt, darf man vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückschrecken. Mit dieser Haltung und der Kopplung unserer Zustimmung an einen harten Haushaltsbegleitbeschluss sind wir als Fraktion zunächst gemeinsam angetreten – und haben den Entwurf im ersten Durchgang folgerichtig abgelehnt.

Die Rolle rückwärts

Dass politische Prozesse dynamisch sind, ist mir nicht neu. Doch die Dynamik, die sich in den Wochen zwischen der ersten Ablehnung und der endgültigen Verabschiedung Ende März entwickelte, hat bei mir tiefe Spuren hinterlassen. Die anfängliche Entschlossenheit wich in Teilen einem Kompromissbedürfnis, das den Kern unseres ursprünglichen Anliegens stark verwässerte. Aus den notwendigen Strukturveränderungen wurden abgeschwächte Sparziele.

Innerhalb einer großen Fraktion gibt es naturgemäß unterschiedliche Strömungen und Perspektiven. Am Ende hat sich in unseren internen Beratungen eine Mehrheit für diesen weicheren Kurs und damit für die Zustimmung zum Haushalt entschieden. Als Fraktionsvorsitzender habe ich diese demokratische Mehrheitsentscheidung nach außen hin mitgetragen – auch wenn ich in der entscheidenden Ratssitzung keinen Hehl daraus gemacht habe, dass dies inhaltlich nicht mehr meine persönliche Handschrift trug. Wer Schaden von der Stadt abwenden will, muss aus meiner Sicht das Übel an der Wurzel packen und darf die eigentliche Konsolidierung nicht weiter aufschieben. Für halbe Sachen ist in Wedel schon viel zu viel Zeit verloren gegangen.

Persönliche Konsequenzen: Hopp oder Topp

Politik lebt von Glaubwürdigkeit. Deshalb war es für mich der einzig logische und aufrichtige Schritt, meinen Posten als Fraktionsvorsitzender der CDU zur Verfügung zu stellen.

Wichtig ist mir dabei zu betonen: Ich werfe nicht die Flinte ins Korn. Ich laufe nicht weg, wenn es schwierig wird, und eine Abspaltung oder ein Wechsel zu einer anderen politischen Gruppierung kommt für mich überhaupt nicht in Frage. Ich habe ein Mandat bis 2028 von den Wählerinnen und Wählern erhalten, und dieses werde ich weiterhin mit voller Kraft und im Namen der CDU ausüben. Wir können uns innerhalb der Fraktion weiterhin in die Augen schauen, aber für die Führungsrolle braucht es nun jemanden, der den neu eingeschlagenen Weg aus voller Überzeugung vertritt.

Auch könnte ich mir vorstellen, unter bestimmten Voraussetzungen weiterzumachen. Wie das Ganze funktionieren könnte, muss jetzt geklärt werden. Oder aber es übernimmt jemand anderes die Verwantwortung für die Fraktion. 

Ein herzliches Dankeschön

Was mir in diesen unruhigen Tagen jedoch am meisten Kraft gegeben hat, waren die unzähligen Reaktionen aus der Wedeler Bevölkerung.

Ich war überwältigt von dem massiven Zuspruch, den ich auf der Straße, über Nachrichten und in den sozialen Netzwerken erfahren durfte. Besonders berührt hat mich, dass viele dieser aufbauenden Worte von Menschen kamen, die meine politischen Ansichten oder Parteizugehörigkeit gar nicht unbedingt teilen. Dass in der heutigen Zeit Eigenschaften wie Rückgrat, Verlässlichkeit und das Einstehen für die eigene Überzeugung über Parteigrenzen hinweg eine solche Wertschätzung erfahren, macht mir großen Mut.

Dafür möchte ich mich von Herzen bedanken. Es zeigt mir: Der Einsatz für unser Wedel lohnt sich – auch und gerade dann, wenn der Wind einmal rauer weht.

Ihr Jan Lüchau

Wie sind Musikschulen in Schleswig-Holstein normalerweise organisiert?

Mit der aktuellen Diskussion um die Verlagerung des Wedeler Musikschulunterrichts in die Räume der weiterführenden Schulen stellt sich für viele Bürgerinnen und Bürger die Frage: Ist so ein Modell eigentlich normal? Ein Blick auf die Struktur der kommunalen Musikschulen in Schleswig-Holstein zeigt ein klares Bild.

In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 22 öffentliche Musikschulen, die im Verband deutscher Musikschulen (VdM) organisiert sind. Wenn man sich deren räumliche Organisation ansieht, stellt man fest, dass die dezentrale Unterbringung in unserem Bundesland nicht die Ausnahme, sondern die absolute Regel ist.

Dezentrales Netzwerk statt zentraler "Musik-Tempel"

Reine "einhäusige" Musikschulen, bei denen der gesamte Unterricht konzentriert in einem einzigen, großen Gebäude stattfindet, sind in Schleswig-Holstein die Ausnahme. Zwar verfügen einige Städte wie Kiel oder Pinneberg über größere zentrale Einrichtungen, die Realität der musikalischen Bildung im Land sieht jedoch anders aus: Die 22 Musikschulen bieten ihren Unterricht an landesweit über 400 verschiedenen Standorten an.

In der Praxis bedeutet das eine umfassende Integration in die bestehende Bildungslandschaft:

  • Es bestehen landesweit Kooperationen mit etwa 150 allgemeinbildenden Schulen.
  • Zudem wird mit rund 100 Kindergärten und Kitas zusammengearbeitet.

Besonders bei den Kreismusikschulen zeigt sich diese Struktur sehr deutlich: Sie operieren fast ausschließlich dezentral in den Städten und Gemeinden des jeweiligen Kreises, während am Hauptsitz oft nur die Leitung und Verwaltung angesiedelt ist. Die Kreismusikschule Herzogtum Lauenburg unterrichtet beispielsweise an 34 Plätzen in 20 verschiedenen Orten.

Fazit für Wedel

Dass eine Musikschulverwaltung zentral sitzt, der Großteil des Instrumentalunterrichts aber dezentral am Nachmittag in den Räumlichkeiten von allgemeinbildenden Schulen stattfindet, ist in Schleswig-Holstein bewährter Standard. Eine solche Struktur ermöglicht es in vielen Kommunen überhaupt erst, ein flächendeckendes Angebot aufrechtzuerhalten.

Meine Meinung: Eine strukturelle Veränderung ist unumgänglich

Ich muss an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Der reine Wechsel von Räumlichkeiten, wie ihn die Verwaltung vorschlägt, greift aus meiner Sicht zu kurz. Eine grundlegende, strukturelle Veränderung bei unserer Musikschule ist dringend notwendig.

Wenn wir uns die nackten Zahlen ansehen, wird der Ernst der Lage sofort klar. Wedel leistet sich mit einem jährlichen Minus von 942.000 Euro nach der Landeshauptstadt Kiel (-1.209.700 Euro) den zweithöchsten städtischen Zuschussbedarf aller untersuchten Musikschulen in ganz Schleswig-Holstein. Wir liegen mit unserem Defizit damit sogar noch vor deutlich größeren Städten wie Norderstedt (-881.800 Euro) oder Flensburg (-792.200 Euro, gGmbH).

Besonders aufschlussreich ist jedoch ein anderer Vergleich: Zahlreiche Musikschulen in unserem Land, die durch Vereine (e.V.) betrieben werden, kommen mit einem Bruchteil dieser kommunalen Zuschüsse aus und bieten dennoch eine hervorragende musikalische Ausbildung an. Beispiele aus der direkten Nachbarschaft und vergleichbaren Städten belegen das eindrucksvoll:

  • Musikschule Pinneberg (e.V.): -305.000 €
  • Musikschule Neumünster (e.V.): -276.000 €
  • Oldesloer Musikschule (e.V.): -288.800 €
  • Musikschule Quickborn (e.V.): -172.000 €
  • Musikschule Elmshorn (e.V.): -103.700 €

Diese Zahlen zeigen uns, dass musikalische Bildung auch mit deutlich geringerer Belastung für den städtischen Haushalt exzellent funktionieren kann. Wir können es uns angesichts unserer angespannten Haushaltslage schlichtweg nicht mehr leisten, die Augen vor diesen landesweiten Realitäten zu verschließen.

Wir müssen daher nicht nur über Gebäude sprechen, sondern über die Betriebsform selbst. Ich rege aus diesem Grund einen konkreten Prüfauftrag an die Verwaltung an: Es muss detailliert evaluiert werden, ob und wie die Musikschule Wedel – wie in vielen anderen Kommunen längst üblich und erfolgreich praktiziert – an einen externen Träger ausgegliedert werden kann.

Ob als eingetragener Verein (e.V.) oder als gemeinnützige GmbH (wie in Flensburg) – wir müssen diese etablierten Alternativen jetzt ernsthaft prüfen. Nur mit einer echten Strukturreform werden wir unser Ziel erreichen: Den städtischen Haushalt nachhaltig zu konsolidieren und gleichzeitig das wichtige musikalische Bildungsangebot für unsere Kinder und Jugendlichen in Wedel dauerhaft zu sichern.

Lesen Sie auch: Die Zukunft der Musikschule Wedel: Was plant die Verwaltung?

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