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Wenn die Inszenierung wichtiger wird als die Lösung – und ein Weckruf für Wedel

Wenn die Inszenierung wichtiger wird als die Lösung – und ein Weckruf für Wedel

Wedel-Politik Newsletter

 

Liebe Wedelerinnen und Wedeler,

 

stellen Sie sich vor, ein Bürger möchte an einer öffentlichen Ausschusssitzung im Rathaus teilnehmen, steht aber vor verschlossener Tür und bittet den Vorsitzenden einer politischen Gruppierung, die noch nicht im Wedeler Rat vertreten ist, telefonisch um Hilfe. Was tut man in so einer Situation? Wählt man den pragmatischen Weg, ruft man seinen Stellvertreter an, der bereits in der Sitzung sitzt, und lässt die Tür öffnen? Oder lässt man den Bürger draußen stehen und nutzt die Gelegenheit lieber für einen dramatischen Facebook-Post über den vermeintlichen Zustand unserer Demokratie?

 

Diese kleine Anekdote vom Rande des letzten Haupt- und Finanzausschusses zeigt deutlich, wo für manche offenbar die Prioritäten liegen: bei der lauten Inszenierung im Internet statt bei der handfesten Problemlösung im echten Leben.

 

Die ganze Geschichte über Schaufensterpolitik und eine verschlossene Rathaustür lesen Sie in meinem neuen Artikel:

 

👉 Bürgernähe in der Praxis: Von verschlossenen Rathaustüren und Facebook-Dramen

 

🏛️ Von der Rathaustür zur großen politischen Bühne

 

Warum ich diese lokale Anekdote aufgreife? Weil sie symptomatisch für eine Entwicklung ist, die mir Sorge bereitet. Was im Kleinen mit einem Social-Media-Beitrag über eine klemmende Tür beginnt, zeigt im Großen eine bedenkliche Verschiebung unserer politischen Kultur: Es geht zunehmend um den lautesten Protest und immer seltener um die beste Lösung für die Menschen vor Ort. Genau diese Dynamik beobachten wir derzeit auf einer viel größeren Bühne.

 

Am heutigen Sonntagabend blickt die Bundesrepublik auf die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Wie erwartet, ist die AfD als stärkste Kraft aus dieser Wahl hervorgegangen. Auch wenn Magdeburg viele Kilometer von Wedel entfernt liegt, dürfen wir das nicht als rein regionales Ereignis abtun.

 

Die Wahlergebnisse machen deutlich, dass sich die AfD längst von einer Protestpartei zu einer dauerhaft verankerten Kraft entwickelt hat. Ich mache mir ernste Sorgen, dass diese Welle der Legitimation rechtsextremer Positionen schrittweise den gesellschaftlichen Grundkonsens verschiebt. Noch existiert in Wedel kein AfD-Ortsverband, doch es wäre naiv zu glauben, dass das auf Dauer so bleibt.

 

Kommunalpolitik lebt von Kompromissen bei Schulen, Kitas, Finanzen und Infrastruktur. Zieht künftig eine AfD in unseren Rat ein, droht eine Verrohung des Diskurses und eine Blockade pragmatischer Lösungen. Wenn Protest und Ideologie den Ratssaal dominieren, steht die Handlungsfähigkeit unserer Stadt auf dem Spiel.

 

📊 Kurz & Knapp: Starke Institutionen für Wedel

 

Ich habe für Sie in den letzten Tagen drei wichtige Jahresberichte 2025 zusammengefasst, die das soziale Fundament unserer Stadt bilden:

 

  • DRK Betreutes Wohnen: Wie wir würdevolles und sicheres Wohnen im Alter in Wedel gewährleisten. 👉 Zum Bericht

 

  • Freizeitförderung Wedel: Ein starkes Zeichen für Inklusion, gesellschaftliche Teilhabe und eine aktive Jugend. 👉 Zum Bericht

 

  • Volkshochschule Wedel: Warum Bildung und Integration der Schlüssel für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt bleiben. 👉 Zum Bericht

 

📊 Kritik am Haushalt 2024

 

Das städtische Rechnungsprüfungsamt (RPA) hat den Jahresabschluss 2024 geprüft. Die Fakten sind ernüchternd: Statt des erhofften leichten Überschusses verzeichnet die Stadt Wedel ein drastisches Defizit von 14,7 Millionen Euro.

Das RPA kritisiert dabei insbesondere den späten Umgang der Verwaltung mit den deutlichen Warnsignalen. Bereits im April 2024 war die Verschlechterung erkennbar, doch erst im September wurde eine Haushaltssperre verhängt. In der Zwischenzeit war Wedel dauerhaft auf Kassenkredite angewiesen. Dies führte zu einer erheblichen finanziellen Belastung, bei der allein über 905.000 Euro an Zinsen anfielen.

 

👉 Zum Bericht

 

🏊‍♂️ Sanierung der Badebucht: Baukostensteigerungen mit Ansage

 

Die aktuelle mediale Aufregung um mögliche Kostensteigerungen bei der Badebucht-Sanierung greift zu kurz. Die Kostenschätzungen für die beschlossene Variante 4A (rund 14,7 Millionen Euro netto) stammen teils noch aus 2024/2025. Dass Bauen in der Zwischenzeit nicht günstiger geworden ist, ist bauliche Realität und den Beteiligten längst bewusst – zudem beinhaltet die solide Kalkulation bereits Puffer von +/- 30 Prozent. Meine Einschätzung: Die Variante 4A verzichtet aus Kostengründen auf Freibad und Erlebnisbereich, sichert aber das essenzielle Angebot für unsere Schulen und Vereine. Das ist ein massiver, aber vernünftiger Kompromiss. Wenn wir als Stadt attraktiv bleiben wollen, müssen wir jetzt zu unseren mehrheitlichen Beschlüssen stehen und den Weg konsequent weitergehen, statt durch ständige neue „Schleifen“ weitere Verzögerungen zu riskieren.

 

👉 Badebucht-Sanierung: Warum Baukostensteigerungen keine Überraschung sind

 

🗓️ Termine & Mitwirkung: Wo wir uns treffen

 

Eine wehrhafte kommunale Demokratie lebt von Ihrer Beteiligung. Lassen Sie uns ins Gespräch kommen, ob im Rathaus, auf der Straße, beim Bäcker oder Friseur.

 

Nächste Sitzung des Rates: Donnerstag, 10. September, 19:00 Uhr im Ratssaal (Rathausplatz 3–5). Zu Beginn gibt es wie immer eine offene Einwohnerfragestunde.

 

💬 Die Community-Frage zum Schluss

 

Verkehr ist (nicht nur) in Wedel immer ein emotionales Thema. Daher meine Frage an Sie für diese Woche: Wie empfinden Sie die aktuelle Verkehrssituation rund um die Einbahnstraße Autal?

Antworten Sie einfach direkt auf diese E-Mail. Ich lese jede Zuschrift und nehme Ihre Eindrücke mit in meine politische Arbeit. Wir müssen nicht immer einer Meinung sein. Ein kritischer Austausch gehört zu einer lebendigen Demokratie. Entscheidend ist, dass sachliche Vernunft die Leitlinie unseres Handelns bleibt.

 

Ich halte Sie auch weiterhin über die aktuellen Entwicklungen in unserer Stadt auf dem Laufenden und freue mich über Ihr Interesse an der lokalen Politik.

 

Wenn Sie Fragen haben, melden Sie sich gerne: Kontakt

Kommen Sie gut in die neue Woche!

 

Ihr Jan Lüchau